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    Börsen-Trend: Das sieht nicht bullish aus

    Die NASDAQ eilt von Hoch zu Hoch, der S&P 500 und der Dow Jones notieren nahe den Allzeithochs. Der Dax hat mehr als 1000 Punkte seit der letzten Korrektur gewonnen. Ist also alles eitel Sonnenschein? 

     

    Indizes werden mathematisch berechnet. Grundlage dafür sind die Kursentwicklungen der Einzelaktien, die diesen Index bilden. Häufig - wie etwa beim S&P 500 und beim Dax - werden die einzelnen Aktienkurse entsprechend ihrer Kapitalisierung gewichtet und fließen so in unterschiedlichem Maße in die Berechnung des Index ein. Aus diesem Grunde ist es beispielsweise so, dass die Kursentwicklung des S&P 500-Index zu 50% von den größten 50 Aktien des Index abhängt. Mit anderen Worten: Wenn die größten 50 Aktien des S&P 500 um 1% steigen, die restlichen 450 Aktien aber um 1% fallen, dann bewegt sich der Index als Ganzes um keinen einzigen Punkt. 

     

    Daher ist es wichtig, sich nicht nur die Index-Entwicklungen anzuschauen. Schließlich handeln wir keinen Aktienmarkt, sondern einen Markt von Einzelaktien. Die Marktbreite gibt Auskunft darüber, ob ein Aufschwung auf tönernen Füßen oder einem soliden Fundament steht. Je mehr Titel steigen, desto stabiler ist der Trend. Wenn allerdings ein Kursaufschwung nur auf der Bewegung einer Handvoll von Aktien beruht, ist die Bewegung sehr anfällig für Korrekturen. 


    Man kann, um hier genauere Aussagen zu erhalten, täglich die Zahl der Aktien zählen, die neue Hochs und neue Tiefs erreichen. Dies kann sich auf verschiedene Zeitfenster beziehen: Wie viele Aktien erreichen den höchsten oder tiefsten Stand der letzten 20 Handelstage (das entspricht etwa einem Handelsmonat). Wie viele erreichen den höchsten oder tiefsten Stand der letzten 65 Handelstage (entspricht etwa einem Kalenderquartal). Und wie viele Aktien erreichen den höchsten oder niedrigsten Stand der letzten 52 Handelswochen - das entspricht einem Jahr. 


    Die entsprechenden Daten für die US-Märkte sind leicht zugänglich - ich übertrage sie täglich von der Seite barchart.com in eine Excel-Tabelle. Hier subtrahiere ich dann für jedes Zeitfenster die Zahl der neuen Tiefs von den neuen Hochs. Das Ganze wird in eine Grafik übertragen und sieht für den gestrigen 20. Juli so aus. 

    Es gab gestern, obwohl die Kurse sich unauffällig bewegten, mehr neue Einmonats-, Dreimonats- und Zwölfmonats-Tiefs als -Hochs, denn die Werte in diesen drei Zeitfenstern sind negativ. Was bedeutet das? Eine große Anzahl von Aktien bewegt sich abwärts und nur wenige, hoch kapitalisierte Titel stützen die Märkte. Das könnten die sein, die gerade gute Quartalszahlen vorgelegt haben oder wo gute Zahlen erwartet werden. Und siehe da: Einige Dickschiffe, etwa IBM, Apple, Microsoft, Google oder Halliburton steigen seit einigen Tagen und ziehen die Märkte mit aufwärts. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest: An der New York Stock Exchange und der American Stock Exchange haben gestern deutlich mehr Aktien neue Tiefs erreicht als Hochs - im 12-Monats-Zeitfenster liegt das Verhältnis bei 88 zu 255. Nur an der technologielastigen NASDAQ wurden noch nennenswert neue Hochs erreicht - obwohl auch hier das Verhältnis Hochs zu Tiefs mit 107 zu 132 unter eins liegt.  

    Was bedeutet eine solche Konstellation? Zunächst einmal ist der NewHigh-New Low-Index kein präzises Timing-Instrument, sondern ein vorlaufender Sentiment-Indikator. Er signalisiert lediglich, dass unter der "Wasseroberfläche" Dinge passieren, die ein oberflächlicher Beobachter möglicherweise nicht wahrnimmt. Zwischen den Marktindizes und dem NHNL-Indikator sehen wir derzeit eine divergente Entwicklung, mehr nicht. Möglicherweise ist es augenblicklich der falsche Zeitpunkt, um groß in die Märkte einzusteigen. Möglicherweise steht der Markt vor einer breiteren und tieferen Korrektur. Auf jeden Fall ist Vorsicht angesagt.

    Bei Gewitter-Wetterlage hat man besser einmal zu häufig einen Regenschirm dabei. Und in den Märkten ist jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt, um den Sicherheitsgurt etwas fester zu ziehen und den Helm aufzusetzen. 

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    Kommentare: 2
    • #1

      Paul (Mittwoch, 12 August 2015 11:07)

      sehr interessant! die Auswirkungen scheinen sich nun, ca. 3 Wochen nach Schreiben des Artikels, bemerkbar zu machen

    • #2

      Nils Gajowiy (Mittwoch, 12 August 2015 12:53)

      Einspruch! Der Beitrag ist vom 21. Juli - und die erste Abwärtswelle kam vom 22. bis 27. Juli ins Rollen. Am vergangenen Wochenende gab es ein ähnliches Bild beim NHNL-Index - und wieder sehen wir eine Abwärtswelle. Wer diese Zahlen regelmäßig auswertet, ist einfach besser vorbereitet. Es ist der beste vorlaufende Indikator, den ich kenne. Und zwar einer, der ziemlich zügig wirkt.

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