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    Performance-Report: Das Zahltag-Depot im Dezember 2020

    Wer hätte das gedacht? Der Dezember brachte mit einer Jahresendrallye noch einen versöhnlichen Ausklang an den Aktienmärkten. Nach dem Einbruch im Frühjahr sah es nicht so aus, als würde das Vorjahresergebnis erreicht. Am Ende des Jahres stand allerdings ein leichtes Plus bei den Dividendeneinnahmen auf der Uhr. Und das, obwohl die in Dollar gezahlten Dividenden unter der Abwertung des Greenback im Jahresverlauf kräftig litten. 

    Mein Monatsresümee hat etwas auf sich warten lassen. Das war einer einfachen Tatsache geschuldet: Es gab viel zu tun. Ich war im Dezember mit meiner Masterclass auf Gran Canaria. Danach habe ich um Weihnachten herum noch eine GmbH gegründet, um der Scholzschen Verluststeuer zu entgehen, die seit Januar 2021 private Investoren trifft. Schließlich habe ich einige Wochen mit der Arbeit an einer Buchübersetzung zugebracht. Da hieß es: Wichtiges zuerst, alles andere musste warten. Denn schließlich soll Arbeit ja Spaß machen und nicht in negativen Stress ausarten. 

    Der Dividendenstrom im Dezember

    Der Dezember brachte mir 36 Zahltage. Es flossen 1.560,23 Euro an Dividenden, gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres war das ein Minus von immerhin 12,96%. Die Gründe liegen klar auf der Hand: Die SFL Corporation (vormals Ship Finance International) hatte ihre Dividende gekürzt. Molson Coors, die Meredith Corporation, Wells Fargo und Helmerich & Payne hatten wegen der Dividendenkürzungen und -streichungen das Depot verlassen müssen. Und Main Street Capital ließ die halbjährliche Sonderdividende im Dezember 2020 ausfallen.

    Um so erstaunlicher ist es, dass die Dividendensumme ausreichte, um das Jahresergebnis von 2019 zu übertreffen. 16.882,71 Euro vereinnahmte ich im gesamten Jahr, gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 1,76%. Das "Zünglein an der Waage" waren unter anderem eine Sonderdividende von MSM Industrial Direct (MSM) in Höhe von 3,50 Dollar pro Aktie, die turnusmäßige Dividendenerhöhung bei der Cummins Inc., beim Containerverleaser Triton und beim Fleischproduzenten Tyson Foods. Es gab also auch drei reguläre "Gehaltserhöhungen" im Dezember. Nicht zu vergessen ist, dass der Dollar faktisch im gesamten Jahresverlauf gegenüber dem Euro abwertete. Wurden Anfang 2020 noch 1,12 Dollar für einen Euro gezahlt, so musste man am Jahresende 1,21 Dollar auf den Tisch legen, um einen Euro zu kaufen. Da meine Dividenden in Dollar gezahlt werden, die Abrechnungswährung meines Kontos aber auf Euro lautet, veränderte das den berechneten Euro-Saldo zu meinen Ungunsten. Ein Problem ist das für mich nicht, denn ich kaufe ja mit den Dollars neue Aktien, die ich wieder in Dollar bezahle, so dass hier kein Verlust entsteht.

    Mein projiziertes Dividenden-Jahreseinkommen in Dollar stieg im Dezember leicht an. Der Dividendentacho stand zu Silvester bei 20.548,81 Dollar, Ende November waren es 20.412,30 Dollar.          

    Insgesamt stockte ich mein Kapital im Dezember durch eine Einzahlung um 1,74% auf. 0,42% flossen mir aus Aktienoptionen zu, die Dividenden ergeben einen Cash-Betrag von 0,45%, jeweils auf mein eingezahltes Kapital.

    Meine durchschnittliche monatliche Dividendenrente lag für das Gesamtjahr 2020 bei 1.406,90 Euro. Ein Jahr zuvor waren es 1.382,61 Euro. 

    Die Aufschlüsselung nach Quartalen veranschaulicht die Auswirkungen der gestrichenen und gekürzten Dividenden im dritten und vierten Quartal 2020. In beiden Perioden lagen die Dividenden unter denen des Vorjahres. Ich gehe davon aus, dass dieser Trend sich im ersten und zweiten Quartal 2021 noch fortsetzen wird. Einen Meilenstein setzte das Depot 2020: Es wurden erstmals in allen zwölf Monaten mehr als eintausend Euro Dividende eingenommen.  

    Tax Loss Harvesting: Käufe und Verkäufe im Dezember

    Im Dezember habe ich zwei Positionen zeitweise komplett liquidiert, um steuerliche Verlustvorträge zu generieren. Die viel gescholtenen Aktien von Tanger Factory Outlet Centers wurden ebenso verkauft wie die 1.500 Aktien von SFL. Inzwischen sind beide wieder im Depot vertreten, die noch fehlende Stücke werden durch Cash Secured Puts bei günstigen Preisen wieder eingesammelt. Tanger hatte ja die Dividendenzahlungen im neuen Jahr wieder aufgenommen. 

    Verkauft habe ich Anfang Dezember auch einige Stücke des Pfizer-Ablegers Viatris, diese waren mir durch den Spin-Off zugeteilt worden. Eine Dividende hatte Viatris bis Ende des Jahres nicht deklariert, so dass ich das Geld lieber rentierlich anlegen wollte. Inzwischen ist klar, dass es ab Sommer eine Gewinnausschüttung geben wird, die allerdings niedriger sein wird als vormals angekündigt.

    Um 200 Stücke aufgestockt habe ich meine Position in Triton. Bei der Gladstone Land Corporation legte ich mir weitere 100 Stücke ins Depot. 

    Das gesamte Depot lässt sich hier einsehen. 

    Die Aktie des Monats: SpartanNash Company

    SpartanNash ist ein Groß- und Einzelhändler, der mehrere Großhandelslager und mehr als 150 Supermärkte in den USA betreibt. Außerdem versorgt SpartanNash das US-Militär mit Lebensmitteln und verschiedenen Verbrauchsgütern. In den vergangenen drei Jahren sanken die Gewinne, was im Herbst 2020 zu einem Austausch des CEO, einer Reorganisation und einer strategischen Neurorientierung führte. Erste Erfolge sind bereits sichtbar, Umsatz und Gewinnmargen zogen deutlich an. SpartanNash zahlt seit 2006 eine Dividende, die seit 2011 regelmäßig angehoben wird. Die Dividendensteigerungsrate liegt seit dem bei rund 14,4% pro Jahr. Die moderate Ausschüttungsquote von nur 30,4% im vergangenen Jahr lässt Raum für zukünftige Dividendensteigerungen. 

    Ich habe im Dezember meine ersten zwei Tranchen bei Kursen von 17,85 und 17,10 Dollar eingesammelt. Aktuell bewirtschafte ich das Unternehmen mit Cash Secured Puts, da der Preis seit meinem Einstieg schon um 16,8% zugelegt hat. Einer der Gründe: Die Dividende wird mit der März-Zahlung um vier Prozent angehoben - von 0,19 auf 0,20 Dollar pro Quartal. 

    Ich habe SpartanNash nur für mein konservativeres "Seniorendepot" gekauft, für das Junior-Depot ist mir das Unternehmen nicht wachstumsstark genug. 

    Wie immer gilt: Das Ganze ist keine Empfehlung, sondern dient rein der Information. Wer mehr wissen möchte, sollte vor einer Investitionsentscheidung bitte seine eigene Analyse machen und prüfen, ob das Unternehmen zum eigenen Risikoprofil und zur Anlagestrategie passt. Ich übernehme keine Verantwortung für entstehende Verluste.  

    Ausblick 2021: Was bleibt, was ändert sich?

    Mit dem Monat Dezember habe ich letztmalig eine Überweisung auf mein privates Brokerkonto bei Interactive Brokers getätigt. Nicht etwa, dass ich die Lust am Investieren verloren hätte oder mich der Broker mehr ärgert als gewöhnlich. Vielmehr ist es so, dass mein Konto inzwischen eine Größe erreicht hat, wo neue Einzahlungen kaum noch spürbar sind. Wenn ich beispielsweise 1.000 Euro im Monat auf ein 10.000-Euro-Konto überweise, erhöht das meine Investitionsmittel jeden Monat um zehn Prozent. Wenn das Konto aber 500.000 Euro groß ist, machen sich 1.000 Euro faktisch nicht mehr bemerkbar, sie entsprächen dann 0,2%. Mein Depot produziert inzwischen genügend Cashflow für meine laufenden Investitionen, so dass ich auf diese 0,2% an dieser Stelle nicht angewiesen bin. Ich werde natürlich weiter Geld aus meiner "Privatschatulle" auf die Seite legen, aber dafür wird es ab 2021 ein separates, neues Konto geben. 

    Weiter bespart wird auch mein Junior-Konto. Dies war ja im April 2020 mit 10.000 Euro gestartet und jeden Monat mit weiteren 100 Euro befüllt worden. Ab Januar 2021 erhöhe ich die monatliche Sparrate auf 110 Euro, also um zehn Prozent. Zum Jahreswechsel lagen im Junior-Depot zehn Firmen, im Video unten habe ich das Depot kurz vorgestellt. 

    Mein Ziel für 2021 ist klar definiert: 2.000 Dollar projizierte monatliche Bruttodividende sollen am Ende des Jahres wieder auf dem Dividendentacho des Rentnerdepots stehen - also 24.000 Dollar projizierte Jahresdividende. Das wäre zum Jahreswechsel 2020 eine stattliche Rentenerhöhung von sportlichen 16,8%. 

    Wie hoch die tatsächlich fließenden Dividenden in Euro sein werden, lässt sich natürlich nicht prognostizieren. Dies hängt von den Dividendenerhöhungen meiner Firmen, meinen Investitions-Chancen und ein wenig auch vom Dollar-Kurs ab. Und: Die vergangenen zwölf Monate haben mich ein weiteres Mal daran erinnert, dass die Märkte voller Unwägbarkeiten und Firmen eben keine Behörden sind. Da kann allerhand passieren, Dividenden können gestrichen oder gekürzt werden. Und dann ist da ja noch der leidige SPD-Finanzminister, der immer für böse Überraschungen gut ist.  

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    Kommentare: 9
    • #1

      Matthias (Dienstag, 16 März 2021 16:07)

      Hallo Nils,
      Schön endlich wieder von dir Performance-Reports lesen zu können! Die anderen von dir genannten Aufgaben gehen natürlich vor. Du teilst das hier ja schließlich auch kostenlos mit uns. Ich freue mich schon auf die anderen Monate.
      Viele Grüße

    • #2

      Michael (Dienstag, 16 März 2021 16:22)

      Hallo Nils,
      1.) Welches Buch hast du denn übersetzt ? Von Alexander Elder ?
      2.) Bei MSM bin ich noch nicht investiert, liege da aber auf der Lauer. Die Sonderdividende von 3,50 $ macht mich jedoch etwas stutzig. Auf der Firmenseite
      https://investor.mscdirect.com/2020-11-17-MSC-Declares-Special-Cash-Dividend-Of-3-50-Per-Share
      findet man nicht sehr viel zu dem Thema. Außer dies: "The Company will fund the approximately $195 million required for the special cash dividend primarily from its revolving credit facility." Das bedeutet ja das die Sonderdividende finanziert wird. Warum macht ein Unternehmen so etwas ?
      Viele Grüße
      Michael

    • #3

      Hans Dampf (Dienstag, 16 März 2021 19:13)

      Danke ! endlich mal wieder ein Bericht !

    • #4

      Basti (Freitag, 19 März 2021 11:07)

      Hallo Nils, ich wollte einfach mal DANKE sagen.. über deine lehrreichen Videos, freue ich mich jedes Mal und habe in den letzten Jahren eine ganze Menge gelernt.

    • #5

      Ralin (Samstag, 20 März 2021 11:15)

      Ich habe Spartannash Anfang Januar gekauft und war sicher, so schnell auf niemand anderes in Deutschland zu treffen, der die Aktie dieses kleinen, weitgehend unbekannten Unternehmens ebenfalls hat. Jetzt sehe ich, dass du sogar im Dezember schon gekauft hast. Schöner Zufall. Kein Unternehmen, das uns reich machen wird, aber um die Jahreswende eines der wenigen, die noch unterbewertet schienen.

    • #6

      Rudi (Samstag, 20 März 2021 17:26)

      Hallo Herr Gajowiy,

      bei SKT befanden sich vor dem angeblich kompletten Verkauf 1600 Aktien im Depot. 1500 wurden verkauft. Ihre Aussage, dass die Position zeitweise komplett liquidiert wurde und nun wieder vertreten ist, kann ich nicht nachvollziehen. Die im Aktienbestand ausgewiesenen 100 SKT haben das Depot mit ziemlicher Sicherheit nie verlassen (für 1600 SKT wurde ein Invest von 23416,46 ausgewiesen) und suggerieren nun sogar einen Gewinn, der so auf die Gesamtposition bezogen nie stattgefunden hat.

      Warum Sie nach Gründung der GmbH getrieben sind steuerliche Verlustvorträge zu machen und damit auf das komplette Erholungspotential der vorher eingesammelten Unternehmen verzichten, kann ich nicht einschätzen. Meine Zweifel, ob das sinnvoll ist, bleiben jedoch bestehen. Für meinen Teil realisiere ich Verluste aus steuerlichen Gesichtspunkten (wenn überhaupt) erst dann, wenn es Gewinne gibt die gegenzurechnen sind.

      Leider konnte ich in dem Bericht den Link zum Zahltag-Depot nicht finden. Vielleicht wurde er von mir übersehen. Wenn nicht, gibt es einen bestimmten Grund warum diesmal auf den Link verzichtet wurde?

    • #7

      Rudi (Sonntag, 21 März 2021 22:16)

      Hallo Herr Gajowiy,

      den Link zum angeblich gesamten Depot habe ich jetzt entdeckt. Ob dieser von Ihnen nachträglich eingetragen oder von mir übersehen wurde, kann ich nicht feststellen. Es ist allerdings auch nicht relevant.

      Viele Grüße
      Rudi

    • #8

      Peter (Mittwoch, 24 März 2021 08:17)

      Hallo,
      Aus meiner Sicht relevante Fragen an Nils von Rudi, auch wenn Sie kritisch formuliert sind jedoch ist dies ja Sinn von Kritik, nämlich zu einer konstruktiven Diskussion anzuregen und allen hier beim Lernen zu helfen. Danke Rudi und bitte, Nils, sieh es nicht als Kritik an Dir sondern als valide Fragen, über deren Beantwortung sich sicherlich einige hier freuen würden. Grüße, Peter

    • #9

      Klaus (Sonntag, 28 März 2021 10:08)

      Welchen Sinn macht eine Kommentarfunktion des Artikelerstellers, wenn auf keinen einzige Nachfrage eingegangen wird. Erfüllt dies hier alles nur einem Selbstzweck ? Natürlich kann niemand gezwungen werden etwas zu beantworten, aber dann sollte man einfach die Kommentarfunktion deaktivieren, wenn man keine Lust hat.

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