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    Nach dem Kursverlust: Schnäppchen oder Pleitekandidat?

    Zwei Aktien aus meinem Zahltag-Depot haben in den vergangenen Tagen rasante Kursverluste eingesteckt. Corrections Corporation of America (CXW) verlor am 18. August innerhalb des Handelstages in der Spitze etwa 50 Prozent. Am 26. August stürzte dann der Aktienkurs von GameStop (GME) um mehr als zehn Prozent ab. Wie soll sich ein Investor in dieser Situation verhalten? 

    Die Auslöser für die Kursverluste könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Falle des Gefängnis-Betreibers war es ein Memo des Büros für Gefängnisse, das beim amerikanischen Justizministerium angesiedelt ist. Darin wurde angekündigt, dass Verträge mit privaten Betreibern von US-Bundesgefängnissen möglichst nicht verlängert werden sollten. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer - und schon wurde über das Ende eines ganzen Industriezweigs spekuliert. Ob private Gefängnisse ein Auslaufmodell sind, kann im Augenblick niemand wissen. Trotz der drastischen Polemik von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton darf vermutet werden, dass sich ein paar Hunderttausend Insassen nicht ohne Weiteres in andere Einrichtungen verlegen lassen. 

    Im Falle von GameStop lag der Fall anders: Hier reagierten Marktteilnehmer enttäuscht auf die Umsatz- und Gewinnschwäche im vergangenen Quartal - am 25. August nach Marktschluss waren die Ergebnisse bekanntgegeben worden. 

    Natürlich erreichten mich nach den beiden Ereignissen viele Anfragen: Was sollen wir jetzt tun?

     

    Daher der Hinweis vorab: Ich gebe keine Empfehlungen und was ich hier schreibe, ist keine Handelsaufforderung oder Empfehlung. Ich bin in beiden Unternehmen investiert und daher nicht objektiv. 

     

    Die erste Reaktion lautet: Abwarten. Natürlich quellen die Internetforen jetzt über von Vorschlägen, Szenarien und Kommentaren. Jeder hat etwas zu sagen, jeder glaubt, etwas zu wissen. Fakt bleibt in beiden Fällen: Niemand kennt die Zukunft.

    Als Zweites kam mir eine Frage in den Sinn: Kann es sein, dass einige Investoren zu große Positionen eingegangen sind? In meinem Depot machen sowohl GME als auch CXW weniger als drei Prozent meines Portfolios aus. Ich blicke also angesichts der kleinen Positionsgrößen gelassen auf die entstandenen Buchverluste. Natürlich wäre das ganz anders, wenn mein gesamtes Depot nur aus diesen beiden Aktien bestünde. Tut es aber nicht.

    Die Aktie eines einzelnen Unternehmens sollte niemals in der Lage sein, einen Investor zu ruinieren. Wer bislang Risikomanagement und die damit zusammenhängende Begrenzung der Positionsgröße als "Mumpiz für Weicheier" abgetan hat, der versteht inzwischen hoffentlich den Sinn. Manche lernen nur auf die "harte Tour". Das ging mir früher nicht anders und diese Lektion hat mich wohl einige Zehntausend Euro gekostet.

    Das führt mich zum dritten Gedanken: Psychologie. Im Chart von GameStop habe ich blau eine Kaufzone markiert. Unterhalb von 26 Dollar würde ich gern meine Position aufstocken. Das war der Plan, als es die Aktie am 4. Juli 2016 nach gründlicher Analyse auf meine Kaufliste schaffte. Bislang hat sie mir nicht den Gefallen getan, dorthin zu fallen. Und so halte ich eben nur ein Bruchteil der geplanten Positionsgröße.

    Kaum macht sich die Aktie jetzt auf den Weg in die Kaufregion, keimt aber leise Angst auf. Der Kurs, der vor knapp zwei Monaten als Schnäppchenpreis definiert wurde, wird nun zur Bedrohung. Was, wenn die Aktie weiter fällt? Wenn das Unternehmen doch nicht das wert ist, was es Anfang Juli wert zu sein schien? 

    Wir haben es hier mit einem typischen Phänomen der Behavioral Finance zu tun. Emotionen können sehr schnell zu irrationalen Entscheidungen führen. Daher ist es wichtig, sich in solchen Situationen wie am vergangenen Freitag auf einen schriftlichen Plan stützen zu können. Meine Aktienanalyse beschränkt sich daher nicht nur auf das Unternehmensporträt und das Abarbeiten der Bewertungsmatrix. Vielmehr gibt es einen Abschnitt "Positionsmanagement", der mir klare Anweisungen gibt, wann ich was zu tun oder zu lassen habe. Diesen Abschnitt habe ich am Wochenende noch einmal studiert und mir wurde klar: Vielleicht ist ja die augenblickliche Kursschwäche genau die Chance, auf die ich gewartet habe. Und schon hat sich das "Kopfkino" wieder verändert: Hoffentlich fällt das Papier noch ein paar Dollar weiter, damit ich günstiger an möglichst viele billige Aktien komme. Das, wovor der eine Angst hat, ist eine Chance für den Anderen. Jetzt muss ich nur geduldig auf ein Ende der Abwärtsbewegung warten und dann entschlossen zuschlagen.

    Das sind noch nicht alle Lektionen, die ich aus einer solchen Kursbewegung zu lernen gedenke. Aber dazu demnächst mehr.    

    Kommentare: 6 (Diskussion geschlossen)
    • #1

      HK1 (Montag, 29 August 2016 16:01)

      Wie kann man auch Corrections Corp. kaufen? Da ist doch schon der Name Programm... ;-)
      (Sorry, bisschen albern muss auch sein)

      LG Harald K.

    • #2

      Alfred (Montag, 29 August 2016 17:39)

      Mit der Psychologie ist das so eine Sache. Zuerst erhofft man sich einen Kursrücksetzer, um in eine Aktie günstig einsteigen zu können, und wenn der Rücksetzer dann kommt, traut man sich nicht mehr. Dabei sollte - gerade in einem Dividendenkonto - die erste Frage sein, ob das Geschäftsmodell noch in Ordnung ist und ob die Zahlen noch passen. Letzteres scheint mir bei beiden Firmen - GME bzw. CXW - noch der Fall zu sein, obwohl ich noch nicht viel sagen kann, da ich mich hier erst einlese. Was das Geschäftsmodell anbelangt, wäre ich bei GME etwas vorsichtiger; Computerspiele sind hauptsächlich etwas für Tech-Junkies, bei denen eine veraltete Technologie oder ein veraltetes Format sehr schnell in Ungnade fallen kann. Und was mir noch bei beiden Aktien aufgefallen ist: Bei GME steigen die Instituionellen aus, bei CXW die Insider. Vielleicht hat das nichts zu bedeuten, mir persönlich erscheint es aber z. Zt. nicht ganz gesund.

      VG, Alfred

    • #3

      Nils (Montag, 29 August 2016 17:58)

      Danke fürs Lesen. Es ist an der Börse wie im Fußball: Gewonnen hat man nicht, wenn man das erste Tor schießt, sondern wenn man nach 90 Minuten vorn liegt. Insofern besteht für Eile beim Einkauf auch selten Grund. Bei CXW steht tatsächlich das Geschäftsmodell vor einem Umbruch; das Management setzt augenblicklich stark auf Resozialisierungseinrichtungen zur Wiedereingliederung von Vorbestraften, Ausbildungs- und Entzugseinrichtungen. GameStop ist unangefochtener Marktführer und übrigens der einzige Anbieter, bei dem man alte Hard- und Software gegen neue umtauschen kann. Prima Kundenbindung - was beispielsweise den Laden von Amazon unterscheidet. Herzlichen Gruß Nils

    • #4

      TB (Mittwoch, 07 September 2016 16:40)

      Bei GME fällt mir noch auf, dass die vrtljhrl. Dividende innerhalb von 12 Monaten von anfangs $0,15 schrittweise auf $0,28 erhöht wurde. Nach dem Crash notierte die Aktie bis zum ersten Quartal 2013 zwischen $16 und $28. Erst mit der Veröffentlichung der Earnings Q1/2013 und der Erhöhung der vierteljährlichen Dividende auf $0,28 zieht die Aktie bis November 2013 Richtung 56$. In den Jahren 2014 bis 2016 wird die Dividende kontinuierlich erhöht ($0,33 - $0,36 - $0.37). Aktuell liegt die Dividendenrendite bei knapp 5,3%. Insofern ein interessantes, aber auch riskantes Investment. Auf "nicht erfüllte Erwartungen" hinsichtlich Umsatz bzw. Gewinn reagiert der Kurs sehr empfindlich. Und sollte die Dividende einmal in Frage gestellt werden, springen sicherlich weitere institutionelle Anleger ab. Mal sehen, ob bzw. wann die Aktie den Bereich bei $26 erreicht und wie sie sich dann verhält. By the way, das Geschäftsmodell gefällt mir und ist im online Bereich sicherlich noch ausbaufähig. VG

    • #5

      Lars (Dienstag, 20 September 2016 15:27)

      Hallo Herr Gajowiy,

      was sind denn das für Linien im Chart? Bollinger Bänder?

    • #6

      Nils Gajowiy (Dienstag, 20 September 2016)

      Hallo Lars, das sind die "Autoenvelopes", ein Kanal auf Basis der Standardabweichung des Basiswertes. Entwickelt von meinem Freund und Lehrer Dr. Alexander Elder und in seinen Büchern beschrieben. Gruß Nils

    Suchen

    www.gajowiy.com Blog Feed

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