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    Mein Portfolio 2016: Fünf Lehren eines erfolgreichen Jahres

    Es ist vorbei. Sämtliche Märkte haben geschlossen und werden erst im Jahr 2017 wieder öffnen. Das eröffnet ein Zeitfenster, um in aller Ruhe und ohne sekündliches Kursgezappel das alte Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. 

    2016 war ein erfolgreiches Jahr für mich. Viele Trader schauen insbesondere auf die Equity-Kurve, wenn sie eine Performance bewerten. Nun, da muss ich mich dieses Jahr nicht verstecken. Gegenüber dem Jahresende 2015 hat meine Equity um 60,4 Prozent zugelegt. Die Kurve zeigt allerdings, dass das keine geradlinige Reise war. Insbesondere der Jahresauftakt war turbulent. Meine Equity schmolz wie der Schnee in der Frühlingssonne, im Januar betrug der Drawdown über 27%. Ich blieb stur, hielt an meiner Investmentphilosophie fest und siehe da - schon im März erreichte mein Konto ein neues Allzeithoch. In unserem April-Coaching konnte ich zeigen, dass es richtig war, an meinen fundamental gesunden Positionen festzuhalten. 

    Besonders stolz macht mich, dass ich sowohl den Dax, als auch den S&P 500 um Längen hinter mir gelassen habe. Ich bin selbst verwundert, dass mein Aktienportfolio so gut performt hat. Dies um so mehr, da ich nie so viele Verlustpositionen realisiert habe, wie in diesem Jahr. Insgesamt neun Positionen sind aus dem Depot geflogen. Acht waren Verkäufe von Verlusten, weil Dividenden stagnierten, gestrichen oder gekürzt wurden (die Ticker: NMM, VNR, MCC, HCP, FSC, STON, TGH, CXW) , ein Verkauf war die Folge einer Firmenübernahme (BMR). Gerechnet auf den Kontostand vom 31. Dezember 2015 habe ich 22,16% an Verlusten realisiert. Also: Hätte ich am 31. Dezember 2015 genau 10.000 Euro als Kontostand gehabt, so hätte ich im Jahresverlauf 2.216 Euro an Verlusten aus Verkäufen realisiert. Die Einzelverluste scheinen dramatisch: 91,56% bei Navios Maritime Partners, 90,57% bei Vanguard Natural Ressources, 70,0% bei Textainer - das waren die schlechtesten drei. 

    Trotzdem ist der Kontostand am Jahresende um 60,4% höher als am Jahresanfang, und zwar bereinigt um Ein- und Auszahlungen. Welche Lehre ziehe ich daraus?

    Lehre Nummer eins: Wenn man die Einzelposition klein hält, kann einen auch ein neunzigprozentiger Verlust nicht umbringen. 

    Lehre Nummer zwei: Auch wenn 90% des Geldes bereits "futsch" sind, kann man mit den verbliebenen zehn Prozent wieder neu anfangen. 

    Mein eigentliches Ziel ist aber nicht der Kursgewinn - der ist eher ein netter Nebeneffekt, der aber nicht meinem Einfluss unterliegt. Ich kann die Aktienkurse nicht kontrollieren, sondern bin auf Gedeih und Verderb den Launen des Marktes ausgesetzt. Und Mr. Market ist bekanntlich ein launisches, manisch-depressives Wesen. 

    Mein Ziel sind die Zahltage. Ich habe in 2016 rein rechnerisch 199 Zahltage gehabt - 199 Mal wurden mir Dividenden überwiesen. Augenblicklich halte ich noch 30 verschiedene Aktien, die letzte habe ich vor drei Tagen gekauft. Damit steht für 2017 eines jetzt schon so gut wie fest: Ich werde mehr Zahltage erreichen, als der durchschnittliche Deutsche an Arbeitstagen absolviert.

    Inzwischen hat sich auch die Wachstumsrate meiner jährlichen Dividendenzahlungen normalisiert. Vorbei sind die ersten zwei, drei Jahre des exorbitanten Dividendenwachstums. Ich habe mein zur Verfügung stehendes Geld investiert und "bespare" mein Investmentkonto jetzt genau so, wie ich es früher mit meiner privaten Rentenversicherung getan habe (die habe ich 2012 gekündigt - das empfehle ich jedem!). Ich überweise regelmäßige Raten auf mein Brokerkonto, derzeit einmal im Jahr (kurz vor Silvester war es wieder so weit - die Ersparnisse eines Jahres wurden überwiesen). Dieses "frische" Geld plus die einlaufenden Dividenden werden wieder investiert.

    Lehre Nummer drei: Es spricht nichts dagegen, das Investmentkonto mit regelmäßigen Einzahlungen aufzustocken - es ist schließlich meine ganz persönliche Rentenversicherung.

    Dazu kommt dann noch ein Wachstumsfaktor: Die permanenten Dividendenerhöhungen der Firmen, in die ich investiert habe. Im zu Ende gehenden Jahr waren das 24 an der Zahl. So viele Gehaltserhöhungen bekommt kein Angestellter, jedenfalls keiner, den ich kenne. Und auch Rentenerhöhungen finden in der Regel nicht 24 Mal im Jahr statt. Fairerweise muss man aber auch die sieben Kürzungen bzw. Streichungen von Dividenden einrechnen. 

    Lehre Nummer vier: Eine lange Haltedauer plus regelmäßige Dividendensteigerungen führen zu exponentiell steigenden Dividendenrenditen.

    Beispiel: Langweiler Intel wirft mittlerweile 3,73% Dividende auf mein Original-Investment ab. Mit der Aktie von Altria erziele ich mittlerweile eine jährliche Dividendenrendite von 5,36%. Und mit der Aktie von Digital Realty erziele ich derzeit laufende Einkünfte von 5,95% im Jahr.

    Lehre Nummer fünf: Sehr häufig sind die fleißigsten Dividendensteigerer auch die Aktien, deren Kurse kräftig steigen. So ganz nebenbei ist nämlich der Aktienkurs bei Intel seit meinem Einstieg um 54,3% gestiegen, bei Altria sind es 81,6% und bei Digital Realty sogar satte 97%. 

    Wen wundert es also, wenn ich am Silvestertag 2016 nicht die übliche Flasche Rotkäppchen entkorke, sondern in diesem Jahr eine (geschenkte) Flasche Moet & Chandon? 

    Ich wünsche uns für 2017 Gesundheit und Frieden - dann wird sich der Rest schon finden. 

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    Kommentare: 2
    • #1

      Alfred K. (Donnerstag, 05 Januar 2017 13:57)

      Hallo Nils,

      herzlichen Glückwunsch zu dieser Rendite. Es kann nur der Wunsch eines jeden Investors sein, dies als Zielvorgabe anzusehen und es Dir gleich zu tun.

      Viele Grüße,
      Alfred

    • #2

      Nils (Donnerstag, 05 Januar 2017 15:08)

      Danke Alfred, aber die Kurssteigerungen liegen außerhalb meiner Kontrolle. Das kann im nächsten Jahr auch wieder anders aussehen. Viel wichtiger ist doch der Cash Flow - auf den haben wir wirklich Einfluss. Gruß Nils

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