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    Der leise Tod der Hedgefonds: Sie kochen auch nur mit Wasser

    Es gibt viele Mythen über Hedgefonds. Spätestens, seit der SPD-Politiker Franz Müntefering Hedge-Fonds und Private Equity-Firmen als "Heuschrecken" stigmatisiert hat, genießen sie nicht unbedingt höchstes Ansehen. Müntefering machte sie mit verantwortlich für die Finanzkrise, die 2007 bis 2009 die weltweiten Finanzmärkte aus den Angeln zu heben drohte. Dabei wurde in der Finanzkrise nicht ein einziger Hedgefonds mit Steuergeldern gerettet - Dutzende von großen Banken und Versicherern hingegen schon. Wer sich ideologiefrei und sachlich fundiert über diese Finanzkonstrukte informieren will, dem sei Sebastian Mallabys Buch "Mehr Geld als Gott" empfohlen. 

    Mallaby schildert auf rund 600 Seiten eindrucksvoll die Geschichte der Branche und ihren Platz in der Finanzwelt. Er illustriert seine Untersuchungen mit detaillierten Einblicken in die Anlagestrategien von Hedgefonds, von denen die ältesten bereits unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg aufkamen. 

    Dabei macht er sich nicht zum Fürsprecher dieser Finanzfirmen. Vielmehr nimmt er sie kritisch unter die Lupe, vergleicht sie mit den etablierten Banken und analysiert, warum sie einerseits so beliebt bei Investoren, andererseits aber auch instabil sind und gern von Politikern an den Pranger gestellt werden. Die unanständig hohen Vergütungen vieler Hedgefonds-Manager tun ein Übriges, um nicht unbedingt öffentliche Sympathie aufkommen zu lassen. 

    Dabei sollte man wissen: Während die meisten Banken (etwa Goldman Sachs oder Lehman Brothers) vor der Finanzkrise teilweise mit dem 30-Fachen des eigenen Kapitals jonglierten (und damit die Märkte an den Rand des Kollapses brachten), arbeiten Hedgefonds in der Regel mit weitaus geringeren Hebeln. Sie leihen sich selten mehr als das Doppelte des Geldes, das Investoren ihnen zur Verfügung gestellt haben. 

    Außerdem sind die meisten Hedgefonds für private Investoren gar nicht zugänglich. Das liegt an den hohen Anlagesummen, die gefordert werden. Das amerikanische Recht kennt strenge Regeln für private Investoren, die den durchschnittlichen Verbraucher vor Abzocke durch dubiose Firmen schützen sollen. Die Mindestanlagesumme liegt häufig im siebenstelligen Bereich.    


    Die Gier nach Alpha - der Outperformance gegenüber dem breiten Markt - trieb aber in den vergangenen Jahren viele Vermögende in die Arme der Hedgefondsmanager. Trotzdem herrscht ein gnadenloser Wettbewerb in der Branche: Allein zwischen 2000 und 2009 schlossen rund 5.000 Hedgefonds in den USA - und nicht ein einziger wurde mit Steuergeldern gerettet. Das spektakuläre Scheitern von Long Term Capital Management (kurz: LTCM) im Jahre 1998 führte zu einer ernsthaften Krise der Branche. Der Fonds wurde mit 3,625 Milliarden Dollar gerettet und abgewickelt. Die FED steuerte nicht einen einzigen Dollar Steuergeld bei, sondern moderierte die Verhandlungen, bei denen insgesamt 16 Banken als Gläubiger am Tisch saßen. Im Lichte der Finanzkrise von 2007 - 2009 erscheint die Summe heute, 19 Jahre später, lächerlich.

    Warum ich das heute aufwärme? Ein Artikel in der FAZ vom 25. März 2017 trägt die Überschrift "Das große Hedgefonds-Sterben an der Wall Street". Darin lesen wir frische Zahlen aus der Branche. Im Jahr 2016 wurden 1.057 Hedgefonds liquidiert, aber auch 729 neu gegründet. Die Gesamtzahl der Hedgefonds ist mit rund 8.200 auf das niedrigste Niveau seit 2013 gefallen. Ende März nun gab einer der "Großen" der Branche auf, der ehemalige Goldman Sachs-Partner Eric Mindich. Sein Fonds hatte am Schluss noch 7 Milliarden Dollar unter Verwaltung, Geld von reichen Privatiers, Pensionsfonds und Versicherungen. In Hochzeiten verwaltete Mindich 14 Milliarden. Der Grund für die Schließung des Fonds: Eine "enttäuschende Performance" im Jahr 2016, ein Minus von 9,4%.

    Der 49jährige wird sich wohl zur Ruhe setzen können, denn üblicherweise kassieren Hedgefonds zwei Prozent pro Jahr vom angelegten Vermögen, unabhängig von der Performance. Dazu kommen noch 20 Prozent der Gewinne. Wie Warren Buffett in seinem diesjährigen Brief an die Aktionäre so schön schreibt: Bei diesem Gebührenmodell "werden es in der Regel die Vermögensverwalter sein, die hohe Gewinne machen, nicht die Kunden."

    Charlie Munger, der zweite Vorstandsvorsitzende von Berkshire Hathaway, würde wohl sagen: "Ich habe dem nichts hinzuzufügen." 

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