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    Performance-Report: Das Zahltag-Depot im Januar 2018

     

    Es hat eine Weile gedauert, bis ich mit dem Performance-Report für den Januar fertig war. Dazu weiter unten mehr. Die Turbulenzen an den Weltbörsen Anfang Februar machen eines fast vergessen: Der Jahresauftakt war fulminant. Nasdaq, S&P 500 und Dow Jones sprinteten nach Neujahr von Hoch zu Hoch. Selbst der Dax legte zu. Mein Depot allerdings nicht. Im Verlaufe des Monats drehte die Kontokurve südwärts, Ende Januar stand eine zeitgewichtete Performance von minus 5,55% in den Büchern. Mich stört das nicht weiter, denn ich weiß, woher dieser temporäre Drawdown kommt.

    Zum Einen besteht das Depot aus Dividendenaktien, und die stehen in Zeiten steigender Zinsen in starkem Wettbewerb mit den vermeintlich "risikolosen" Staatsanleihen. Die Umschichtungen institutioneller Investoren aus dem Aktien- in den Anleihenmarkt treffen also die "High Yielder" unter den Dividendenaktien besonders stark. Man muss sich nur die Performance der REITs anschauen, die in meinem Depot reichlich vertreten sind. Aber auch die Versorger (Strom, Gas) haben im Januar kräftig abgegeben. 

    Zum Zweiten habe ich mit drei Futures-Optionen im Öl Verluste realisiert. Das gehört zum Geschäft, daher bin ich nicht übermäßig beunruhigt. Würde ich immer nur gewinnen, würde das sicher schnell zu Allmachtsphantasien führen. So habe ich wieder eine Lektion Respekt gelernt und bezahlt.   

     

    Viel wichtiger als das monatliche Auf und Ab des Kontostandes ist mir die Entwicklung meines Dividendenstroms. Und der ist im Januar 2018 deutlich angeschwollen. Im Vergleich zum Januar 2017 kamen rund 21 Prozent mehr Dividenden auf meinem Konto an. Diese Zahlen sind schon in Euro umgerechnet und berücksichtigen auch die abgezogenen Steuern.

    Der Dividendentacho steht inzwischen (Stand: 25. Februar 2018) bei 15.465,75 Dollar jährlich vor Steuern und Währungsumrechnung. Zur Erinnerung: Ende Dezember stand hier 14.309,69 Dollar. Innerhalb von knapp zwei Monaten legte also die Dividendensumme um mehr als acht Prozent zu, wieder einmal deutlich mehr, als jede Rentenversicherung oder gar die gesetzliche Zwangsrente an Steigerung zu bieten hat. 

    Die Ursachen sind auch hier relativ schnell benannt: Es gibt traditionell zum Jahresbeginn die größte Häufung von Dividendenanhebungen bei US-Unternehmen. Nach Vorlage der Jahreszahlen und der Präsentation des Geschäftsausblicks für das neue Jahr verkünden viele Aufsichtsräte gern höhere Gewinnausschüttungen. 

    Ein zweiter Umstand sind die neuen Beteiligungen, die ich im Verlaufe des Monats eingegangen bin. Ich habe meine Positionen in EPR aufgestockt und eine neue Position in zwei Firmen initiiert: Old Republic International ist eine grundsolide amerikanische Versicherungsgesellschaft, ein Dividendenchampion, der seine Aktionäre seit 36 Jahren mit steigenden Dividenden beglückt. Und da im Januar eine Sonderdividende von einem ganzen Dollar pro Aktie verkündet wurde, habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Eine erste Tranche habe ich vor dem ex-Tag für die Sonderdividende gekauft, eine zweite danach. Der dritte Aktienkauf galt einem alten bekannten - Kinder Morgan. Das Pipeline-Unternehmen hatte 2015 die Dividende gekürzt, um von dem gewaltigen Schuldenberg runterzukommen. Inzwischen ist das Kreditrating gerettet, die Bilanz aufgehübscht, die Aktie um fast zwei Drittel gefallen und Großaktionär Richard Kinder hat verkündet: 2018 wird die Dividende von 0,50 auf 0,80 Dollar angehoben. Im Jahr 2019 soll es dann auf 1,00 Dollar rauf gehen, im Jahr 2020 auf 1,20 Dollar. Sicher muss man mit Vorsicht genießen, was der texanische Milliardär verkündet - er hatte auch 2014 getönt, dass Kinder Morgan die Dividende regelmäßig deutlich anheben wird. Aber mit einer kleinen Position kann man meiner Meinung nach nicht viel falsch machen, zumal im Aktienkurs von den angekündigten Dividendenanhebungen noch nichts eingepreist wurde. Wie heißt es so schön: Wer nicht dabei ist, wenn nichts passiert, der ist auch nicht dabei, wenn etwas passiert. 

    Die einzelnen Zahlungsströme meines Depots sind zum Jahresbeginn noch recht übersichtlich. Allerdings gibt es einige Veränderungen grundsätzlicher Natur, die im Jahresverlauf greifen sollten. Um mein Performance-Ziel von 1,5 bis 2% Cashflow pro Monat zu erreichen, habe ich zwei neue Zahlungsströme eingeführt: Erstens werde ich mich global positionieren und nach Ländern suchen, deren Wirtschaft stärker wächst als die amerikanische Wirtschaft. Über ETFs werde ich dann in diese Länder investieren, solange diese mit hohem Momentum steigen. Auch Dividenden können mit diesen ETFs generiert werden. Zweitens habe ich im Februar angefangen, das Thema Volatilität für mich zu entdecken. Die Kursturbulenzen Anfang Februar haben dazu geführt, dass ich hier ebenfalls eine Möglichkeit entdeckt habe, mit überschaubarem Risiko regelmäßig etwas Geld zu generieren. Im Januar haben allerdings beide Zahlungsströme noch keinen aktiven Beitrag geleistet. 

    Außerdem ist die prozentuale Performance auch dadurch etwas verzerrt, dass ich zum 2. Januar mein Konto noch einmal um zehn Prozent aufgestockt habe. Dieses Geld geht in die Performance-Berechnung bereits mit ein, es hat aber noch keinerlei Ertrag erwirtschaftet. Ich kann es ja erst im Laufe des Jahres schrittweise investieren. 

    So komme ich im Januar nur auf 0,19% Cash durch den Rückkauf von sechs Aktienoptionen, alle wurden im Gewinn geschlossen. Die Dividenden steuerten 0,39% bei, berechnet in Euro und nach Abzug der bereits gezahlten US-amerikanischen Quellensteuern. Auf der Verlustseite stehen drei Öl-Calls, die ich im Januar teurer zurückgekauft habe, als ich sie vorher verkauft hatte. Die sieben erfolgreich geschlossenen Positionen im Silber, den 30jährigen US-Anleihen sowie im EuroStoxx50 haben die Verluste nicht ausgleichen können. Unter dem Strich bleibt ein Minus von 0,96%, kein Grund zur Sorge, sowas passiert.  

    Alles in Allem bin ich mit dem Januar zufrieden. Dass meine Kontokurve etwas gefallen ist, deutet auf fallende Aktienkurse hin. Und das bedeutet: Nachkauf-Chancen und Chancen für neue Investitionen in Unternehmen, die in den vergangenen fünf Jahren permanent zu teuer bewertet waren. Die Dividenden fließen mit der Präzision und Planbarkeit eines Schweizer Uhrwerks. Die Dividendenerhöhungen nehmen kein Ende. Die Schularbeiten für die neuen Zahlungsströme der Zahltagstrategie für 2018 sind erledigt. Geld für neue Investments ist also vorhanden, jetzt geht es nur noch darum, weitere neue Firmen zu finden. Sollten die Aktienkurse in den kommenden Wochen noch etwas nachgeben, wäre das traumhaft für mich. Denn dann könnte ich mehr "Bang for the Buck" - also mehr Dividenden für meine Dollars - bekommen. Das wäre ein Winterschlussverkauf, der selbst mich Shopping-Muffel interessieren würde.  

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    Kommentare: 5
    • #1

      Werner (Dienstag, 27 Februar 2018 14:41)

      Vielen Dank für deinen Artikel. Bin sehr gespannt, welche ETFs du raussuchst. Meine Favoriten Länder sind im Moment vor allem die mit überschaubaren Schulden und großen Rohstoffreserven. (Russland, Australien, Canada ) sowie Österreich und die alten KuK Länder :-) .

    • #2

      Andreas (Mittwoch, 28 Februar 2018 20:27)

      Hallo Nils,
      ich würde gerne mal deine Meinung zu MHLD hören.
      Ein EPS von -1,65$ im vierten Quartal 2017.
      Trotzdem schütten Sie demnächst wieder eine Dividende von 0,15$ aus.
      Wie lange kann das ohne massive Dividendenkürzung noch gut gehen ?
      Des weiteren wurden etliche Millionen für den Aktienrückkauf in 2017 ausgegeben.
      Wie siehst du aktuell das Unternehmen und hast du den Kurssturz zum Nachkauf genutzt ?

      Danke und viele Grüße
      Andreas

    • #3

      Nils Gajowiy (Mittwoch, 28 Februar 2018 21:46)

      Hallo Andreas, ich bin nach wie vor drin in MHLD, werde aber nicht ins fallende Messer greifen. 2017 war ein schlechtes Jahr für Versicherer, damit muss man leben. Wenn die Firma nicht wieder auf die Beine kommt, fliegt sie spätestens in einem Jahr raus. Falls sie nicht vorher die Dividende kürzt. Schaun 'mer mal.

    • #4

      fq (Donnerstag, 01 März 2018 11:23)

      Ich glaube die niedrigen Zinsen sind Gift für Reits. Demnach wären steigende Zinsen nicht das Problem sondern die Lösung. zB. Senior Housing warum ist die Occupancy so unter Druck geraten? Weil Geld nichts kostet und viel zu viel gebaut wurde. Steigen die Zinsen kommt weniger Supply in den Markt und alles normalisiert sich wieder.

      Oder die vielen faulen Mieter die längst Pleite gehen müssten aber immer wieder Kapital bekommen. Die werden dann endlich verschwinden und können durch neue bessere Mieter ersetzt werden.
      Mein Fazit: long reits

    • #5

      fq (Donnerstag, 01 März 2018 12:23)

      um MHLD zu verstehen muss man verstehen was bei AFSI passiert. Die hängen direkt zusammen

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