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    Unsterblich: John C. Bogle ist tot

    Am 8. Mai 2019 wäre John C. "Jack" Bogle 90 Jahre alt geworden. Vor zwei Jahren scherzte Star-Investor Warren Buffett auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway, dass er dann für einen Vorstandsposten bei Berkshire qualifiziert wäre. Dazu sollte es nicht mehr kommen. Bogle verstarb am 16. Januar 2019 im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Bryn Mawr im US-Bundesstaat Pennsylvania.

    "Die Einführung von Low-Cost-Index-Fonds war nicht im Interesse der Wall Street Industrie. Ich schätze, dass Jack seinen Investoren dadurch Dutzende von Milliarden Dollars an Gebühren gespart hat, die mit der Zeit zu Hunderten von Milliarden Dollars wachsen werden. Jack Bogle ist ein Held."

    Warren Buffett am 6. Mai 2017, Hauptversammlung von Berkshire Hathaway

    Die hohe Wertschätzung, die Jack Bogle heute genießt, ist durchaus nicht selbstverständlich. Schon 1951 stieß der Absolvent der Princeton University in seiner Abschlussarbeit auf das Phänomen, dass die meisten Investmentfonds es nicht schaffen, nach Abzug aller Kosten die Performance der Marktindizes zu erreichen bzw. diese zu schlagen. Dieser Gedanke hielt ihn nicht davon ab, selbst Investmentfonds zu managen, zunächst bei der Wellington Management Company.  

    1976 schrieb der spätere Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson über die Underperformance der Investmentfonds in einer Kolumne für das Magazin Newsweek. Die Arbeiten von Samuelson hatten Jack Bogle schon länger inspiriert. 1974 war er von seinem Arbeitgeber gefeuert worden und gründete sein eigenes Fonds-Unternehmen Vanguard. 1975 legte er seinen ersten Index-Fonds auf. Der drohte ein Rohrkrepierer zu werden: Beim Börsengang sammelte der Fonds lächerliche 11 Millionen Dollar ein - statt erhoffter 150 Millionen. Es war Vanguard von Wellington verboten worden, aktive Investment-Beratung anzubieten und so konzentrierte sich Jack Bogle darauf, einfach passiv den S&P 500 nachzubilden. Gleichzeitig verzichtete er auf nahezu sämtliche Gebühren, die damals in der Branche üblich waren, beispielsweise auf hohe Provisionszahlungen für die Broker, die im Fondsvertrieb Milliarden verdienten. Die Etablierung eines Index-Fonds lief den Interessen der Fonds-Industrie zuwider, Bogle wurde verlacht, sein Fonds totgesagt. 

    Der Fonds wuchs in den ersten Jahren langsam, 1977 war das Fondsvolumen auf 17 Millionen Dollar angewachsen, Vanguard hatte nur drei Mitarbeiter. Erst durch die Übernahme eines anderen Investmentfonds der Wellington-Gruppe erreichte der Vanguard 500 Index Fund die 100-Millionen-Dollar-Marke. Das stürmische Wachstum der Index-Fonds begann erst 1982 mit dem Start des großen Bullenmarktes, der bis ins Jahr 2000 anhalten sollte. Andere Unternehmen kopierten das Modell des passiven Index-Fonds. Es entstanden börsengehandelte Fonds - ETFs. Diese bilden inzwischen nicht nur breite Aktienindizes ab, sondern auch Sektoren, Industriezweige, Wirtschaftsregionen, Rohstoffe, Anleihen uvm. Viele von diesen Fonds habe nichts mehr mit der ursprünglichen Idee des Vaters der Index-Fonds zu tun, sondern sind gewöhnliche Trading-Vehikel, um insbesondere unbedarften Anlegern vorzugaukeln, sie hätten ihre Anlagen diversifiziert und sie seien daher mit weniger Risiko behaftet als direkte Investments in Aktien, Anleihen, Währungen oder Rohstoffe. Bogle hat sich Zeit seines Lebens von solchen Praktiken distanziert. 

    Vanguard wurde im Laufe der vergangenen 42 Jahre zum zweitgrößten Anbieter von börsengehandelten Fonds. Inzwischen gibt es mehr als 20 Millionen Investoren in über 170 Ländern, die mindestens einen der 380 Low-Cost-Fonds in ihren Investmentportfolios halten. Insgesamt verwalten Vanguard-Fonds weltweit mehr als 5 Billionen Dollar, nur BlackRock verwaltet mehr.   

    Jack Bogles Investmentphilosophie

    Die ursprüngliche Investmentphilosophie, die schließlich zur Erfindung der passiven Indexfonds führte, war denkbar einfach: Für den durchschnittlichen Investor macht es Sinn, sich an der Wirtschaft seines Landes zu beteiligen, um am wachsenden Reichtum des Landes zu partizipieren. Da "Otto Normalverbraucher" nicht in der Lage ist, den Markt zu schlagen, sollte er ein Investmentvehikel wählen, das den Markt eins zu eins abbildet und mit minimalen Kosten auskommt. Dies wäre, so Bogle, ein Fonds, der ganz einfach alle Bestandteile eines möglichst breiten Aktienindex kauft und hält. Ohne jede Ambition, den Markt zu schlagen oder zu timen, und daher ohne jede Notwendigkeit teurer Management-Gebühren. Vanguard-Fonds kommen heute häufig mit Verwaltungskosten im Bereich von 0,1 bis 0,2 Prozent aus. 

    Im Gegensatz dazu kassieren aktiv gemanagte Fonds häufig Gebühren und Provisionen, die im Bereich von drei bis fünf Prozent liegen. Hedgefonds sind für ihre hohen Performance-Gebühren berüchtigt. Von all diesen aktiv gemanagten Fonds riet Jack Bogle konsequent ab.

    Seine Investmentphilosophie beruhte auf Einfachheit und gesundem Menschenverstand. Die acht Grundprinzipien legte er 1999 in seinem Buch "Common Sense on Mutual Funds" nieder:   

    1. Investiere in Low-Cost-Fonds
    2. Berücksichtige immer die Kosten zusätzlicher Ratgeber
    3. Überschätze nicht historische Performance
    4. Bewerte anhand der historischen Performance Ergebnis-Konsistenz und Risiko
    5. Hüte Dich vor den Stars der Fonds-Industrie
    6. Hüte Dich vor zu großen Fonds
    7. Halte nicht zu viele Fonds
    8. Kaufe Dein Fonds-Portfolio und halte es.

    Einer der größten Fürsprecher des passiven Investierens - heute wird dafür der Begriff "Indexing" benutzt - ist Warren Buffett. Wie auch schon sein Lehrmeister Benjamin Graham rät Buffett immer wieder: 95% aller Investoren sollten einfach über einen passiven Index-Fonds in die wachsende Wirtschaft investieren. Er selbst hat verfügt, dass nach seinem Ableben sein Vermögen in einen Vanguard-Index-Fonds investiert wird, um seiner Witwe ein auskömmliches Leben zu garantieren.   

    "Sollte je eine Statue zu Ehren desjenigen errichtet werden, der am meisten für amerikanische Investoren getan hat, sollte die Wahl zweifelsfrei auf Jack Bogle fallen."

    Warren Buffett, Letter to the Shareholders, 2017

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    Kommentare: 4
    • #1

      Marius (Sonntag, 20 Januar 2019 20:29)

      Ruhe in Frieden Mr. Jack Bogle .
      Er hat den Anlegern einen sehr großen Mehrwert geschaffen.
      Sehr guter Beitrag dazu von dir Nils. Vg

    • #2

      Titus (Sonntag, 27 Januar 2019 17:32)

      Schön, wie Du, Herr Buffett und Munger Jack Bogle würdigt. Ich habe natürlich auch schon von Ihm und seinem: "Don't look for the needle in the haystack. Just buy the haystack!" Gehört. Dennoch folge ich eher Deiner Zahltagstrategie. Bestens Titus

    • #3

      Titus (Freitag, 08 Februar 2019 20:08)

      Hi Nils, OHI hat mir am 6.02. eine um über 50 Prozent niedrigere Ausschüttung gezahlt. Ergeht es Dir auch so ? Auf der Nasdaq-Webside sieht's noch regulär aus: 0,66 Barbetrag je Aktie. Wie stets bestens Titus

    • #4

      Uwe Nanninga (Samstag, 09 März 2019 15:09)

      Hallo Nils, habe diesen tollen Beitrag auf meine Webseite verlinkt. Schöne Grüße. Uwe

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