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    Performance-Report: Das Zahltag-Depot im November 2019

    Der November brachte an vielen Aktienmärkten neue Allzeithochs. Die US-Märkte erreichten neue Rekorde, selbst das deutsche Aktienbarometer stieg bis in Sichtweite des Rekords, der immerhin schon aus dem Januar 2018 stammt. 

    Mein Depot wuchs im November um bescheidene 0,51%, seit Jahresbeginn summiert sich die zeitgewichtete Rendite auf 54,46%. Diese außergewöhnliche Performance ist aus meiner Sicht die Folge einer seit Monaten anhaltenden Umschichtung in Qualitätswerte. Unternehmen, die von Brexit, Handelskrieg und möglichen Konjunkturschwächen weniger betroffen sind, wurden auch im November nachgefragt. Dazu gehörten Versorger, Einzelhändler, Unternehmen aus dem Gesundheitswesen und Immobilien (REITs). Letztere zeichnen in meinem Depot für rund die Hälfte aller Einnahmen verantwortlich.   

    Als Benchmark habe ich drei Indizes gewählt, die die Dividenden - wie auch mein Depot - berücksichtigen: den Dax, den S&P 500 Total Return Index und den MSCI EAFE Net Total Return Index, der sogar noch die Steuern auf Kapitalerträge berücksichtigt und aus 923 Aktien aus 21 Ländern (ohne USA und Kanada) gebildet wird.

    Die längerfristige Betrachtung, eine rollierende 12-Monats-Performance, zeigt ebenfalls einen deutlichen Abstand zu den Vergleichsindizes. 

     

    Auch im November gab es einige Veränderungen in meinem Depot. Der Flugzeugverleaser Aircastle wartete mit der Meldung auf, die komplette Firma an ein japanisches Konsortium zu veräußern. Gleichzeitig wurde noch eine Dividendenerhöhung von 0,30 auf 0,32 Dollar pro Quartal bekanntgegeben. Ich registriere solcherart Meldungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits war Aircastle ein solider Dividendenzahler, die Gewinnausschüttungen hatten sich während der Haltedauer meines Investments um etwa 23 Prozent erhöht und kamen, da auf den Bermudas registriert, quellensteuerfrei auf meinem Konto an. Ein solches Unternehmen zu ersetzen ist eine Herausforderung. Andererseits konnte ich durch das üppige Übernahmeangebot (als Abfindung für die Aktionäre wurden 32 Dollar angeboten) einen Gewinn realisieren, der inklusive der bislang gezahlten Dividenden seit 2017 bei fast 55% lag. Es ist auch ein gewisser "Ritterschlag", wenn große japanische Investoren zwei Jahre nach mir auf eine solche "Perle" aufmerksam werden - so falsch kann meine Analyse seinerzeit also nicht gewesen sein. Ich verkaufte am 7. November 2019 die komplette Position für 32,32 Dollar - das entsprach dem Übernahmepreis plus der für Dezember ausstehenden erhöhten Dividende von 32 Cent. 

    Einen großen Teil des Verkaufserlöses investierte ich kurz darauf in 85 Stück EPR, einen REIT, der monatliche Dividenden zahlt und diese auch seit neun Jahren jährlich anhebt. EPR Properties begann als Vermieter von Multiplex-Kinos. Das Immobilienportfolio wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut und diversifiziert, jetzt gehören Freizeitparks, Ski-Areale, Bowling-Center und ähnliches dazu. Im November wurde ein 454-Millionen-Dollar-Paket an privaten Nachhilfe- und Ganztagsschulen veräußert. Durch den Nachkauf erreichte mein Investment in EPR Properties jetzt die angestrebte volle Positionsgröße. Meine 445 Stücke liefern 2.002,50 Dollar Dividende im Jahr. Damit ist EPR nach Omega Healthcare Investors (OHI) und SFL die dritte volle Position meines Aktiendepots. 

    Weitere Käufe im November: Meine Position in Cisco habe ich um 25 Stücke aufgestockt. Aktie des Monats wurde die Brauerei Molson Coors, hier konnte ich bereits zwei Tranchen von je 20 Stück kaufen. Eine weitere Tranche von sieben Stück Simon Properties Trust wurde erworben.

    Die Dividendenübersicht zeigt, dass Ende November bereits 14,74% mehr Dividende an mich geflossen waren, als im gesamten Jahr 2018. Für das Gesamtjahr zeichnet sich ab, dass ich rund ein Viertel mehr Dividenden kassieren werde, als vor einem Jahr. Von solchen Steigerungsraten träumt jeder deutsche Rentner. 20 Zahltage hatte der November - und eine Gehaltserhöhung. Der Gesundheits-REIT Omega Health Care Investors (OHI) nahm seine Dividendensteigerungen wieder auf und erhöhte die Quartalsdividende von 0,66 auf 0,67 Dollar. Damit hat OHI jetzt 17 Jahre in Folge die Dividende angehoben. Langjährige treue Leser meiner Performance-Reports erinnern sich vielleicht, dass die Aktien von OHI im Frühjahr 2018 zu den meist gehassten Investments gehörten. Damals konnte ich einige Stücke bei Kursen von 26 bis 27 Dollar einsammeln. Die Kostenrenditen dieser Tranchen liegen heute bei 8,30 bis 10,14%. Knapp 30 Prozent meines investierten Geldes hat mir OHI bereits in Form von Dividenden zurückgezahlt.      

    Wie bereits kurz erwähnt, habe ich im November die Molson Coors Brewing Company zu meiner Aktie des Monats gekürt. Die Wurzeln der Firma liegen in Deutschland - der deutsche Einwanderer Adolph Coors gründete 1873 in Golden, Colorado, eine regionale Brauerei. Der zweite Teil des Namens stammt aus dem Zusammenschluss mit der kanadischen Brauerei Molson - die Fusion fand 2005 statt. Der Brauereimarkt ist inzwischen international zwischen wenigen Konzernen aufgeteilt, deren Namen überraschend wenig bekannt sind. Dafür kennt aber jeder Biertrinker die Marken der gebrauten Biere. Molson Coors besitzt Markenrechte oder Lizenzen für den Vertrieb von Miller Lite, Olde English, Coors Banquet, Grolsch, Pilsner Urquell, Staropramen, Heineken, Amstel Light, Bavaria, Beck's, Corona Extra, Löwenbräu uvm. Auch wenn beispielsweise die Marke Pilsner Urquell der japanischen Asahi-Brauerei gehört, wird das älteste Pils der Welt in Europa von Molson Coors vertrieben. Da der klassische Biermarkt inzwischen nicht mehr wächst, expandiert Molson Coors auch in andere Geschäftsbereiche. Neben 26 großen Brauereien betreibt das Unternehmen 13 Craft-Brauereien und eine "Cidery", ist auf drei Kontinenten präsent. Die Marktkapitalisierung liegt bei über elf Milliarden Dollar, der Umsatz 2018 lag bei 10,77 Mrd. Dollar. Nicht berauschend ist die Entwicklung des Aktienkurses. Der fiel seit 2016 um über 55 Prozent. Molscon Coors übernahm 2016 die Anteile der Miller-Brauerei an einer globalen Vertriebsfirma, was vom Markt nicht sonderlich goutiert wurde. Im Juli 2019 gab der langjährige Vorstandsvorsitzende seinen Rücktritt bekannt, der neue CEO Gavin Hattersley legte im Oktober einen "Revitalisierungs-Plan" vor. Der soll Molson Coors wieder zu Wachstum verhelfen.

    Neben den Dividenden, die im November 0,60% auf mein eingezahltes Kapital abwarfen, schlug vor allem der Verkauf der Aircastle-Aktien als alternativer Einkommensstrom mit 0,77% zu Buche. Sieben verkaufte Aktien-Puts spülten 0,16% in die Kasse, ein Trade mit Futures-Optionen brachte 0,30%. Aus meinen Airbag-Positionen, ein permanenter Depot-Hedge, blieben 0,04% als Gewinn übrig. Keine üppige Summe, aber Hedging betreibe ich auch nicht zur Gewinnerzielung, sondern als Versicherung. Insgesamt erzielte ich im November also mit elf Transaktionen einen Cashflow von 2,03% auf mein eingezahltes Kapital. Meine Zielmarke von zwei Prozent wurde damit erreicht.  

    Der Jahresausklang dürfte also ein versöhnlicher werden. Der Dezember hält für mich 31 Zahltage bereit, statistisch gibt's also jeden Tag Geld von meinen Firmen. Die Weihnachtseinkäufe sind gesichert und eine Gehaltserhöhung wurde auch avisiert - vom Papierhersteller Westrock. Die Quartalsausschüttung wurde von 0,455 auf 0,465 Dollar, also um 2,2 Prozent, angehoben. Dazu kommt die halbjährliche Sonderdividende von Main Street Capital, die zahlt den Sekt zu Silvester. 

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    Kommentare: 6
    • #1

      David (Dienstag, 31 Dezember 2019 11:54)

      Hallo Nils,
      Wo liegt denn laut Fast Graphs aktuell der faire Wert von EPR-Properties?

      Wenn du nun sagst:“die Position ist voll“ gehst du hier nach dem Einkaufswert oder %-vom Depotwert?

      LG

    • #2

      Matthias (Donnerstag, 02 Januar 2020 21:54)

      Hallo,
      eine "volle Position" bedeutet bei Nils Gajowiy, dass eine Aktien-Position ca. 2000$ Dividende pro Jahr einbringt.
      Viele Grüße

    • #3

      Nils Gajowiy (Freitag, 03 Januar 2020 09:29)

      Danke Matthias, für die Erklärung. In der Tat ist meine Zielgröße pro Position eine Dividendensumme von ca. 2000 Dollar pro Jahr - allerdings vor Steuern.

    • #4

      Mike (Mittwoch, 15 Januar 2020 23:43)

      Hallo Nils,
      ich schätze Deine Arbeit sehr, vorallem die Transparenz in Deinen Reports.
      Wie siehst Du die weiteren Aussichten für HBI, die Dividende wurde letztmalig im 1.Quartal 2017 erhöht, der Aktienkurs fällt seit 2015, jetzt schon um 60% - trotz guter Performance des S&P 500. Hast Du die Aktie noch in Deinem Depot? Sind das für Dich jetzt Kaufkurse, bei einer Dividendenrendite von 4,2%?
      Schöne Grüße

    • #5

      Dietmar (Mittwoch, 22 Januar 2020 11:08)

      Hallo Nils,
      vermutlich sind Steuern bei deinem Performance-Report nicht berücksichtigt.
      Bildest du Rücklagen für zukünftige Steuerzahlungen oder wie gehst du hier vor.
      Viele Grüsse
      Dietmar

    • #6

      Christian (Donnerstag, 30 Januar 2020 03:18)

      Nils, mich würde es ausserordentlich freuen, wenn Du mal ein Video oder einen Text über das Thema Hedging verfasst. Die Theorie ist mir einigermassen klar. Aber es wäre schön, wenn Du mal ein konkretes Beispiel in der TWS zeigst, z.B. für ein 100.000er Aktiendepot.

      LG
      Christian'

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