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    Performance-Report: Das Zahltag-Depot im Dezember 2019

    Der Dezember und damit auch das Gesamtjahr 2019 endete an vielen Aktienmärkten mit Rekordständen. Die US-Märkte legten überdurchschnittlich zu, der S&P 500-Index beispielsweise stieg vom 1. Januar bis zum 31. Dezember um 26,03%. 

    Mein Depot wuchs im Dezember um 1,67%. Interessanter ist jedoch die Wertentwicklung im Verlaufe des Kalenderjahres. 2019 war eines der wenigen Jahre, in denen mein substanzorientiertes Aktiendepot sich besser entwickelte als der breite Markt.     

    Als Benchmark habe ich drei Indizes gewählt, die die Dividenden - wie auch mein Depot - berücksichtigen: den Dax, den S&P 500 Total Return Index und den MSCI EAFE Net Total Return Index, der sogar noch die Steuern auf Kapitalerträge berücksichtigt und aus 923 Aktien aus 21 Ländern (ohne USA und Kanada) gebildet wird. 57,04% zeitgewichtete Rendite sind nicht zu verachten. Sie sind aber auch alles andere als alltäglich. Ich gehe nicht davon aus, dass eine solche Depotentwicklung sich 2020 wiederholen wird. Vergessen wir nicht: Insbesondere der fulminante Jahresauftakt 2019 nach dem Abverkauf zu Weihnachten 2018 brachte Schwung ins Depot. Kursgewinne lassen sich nicht prognostizieren und haben auch nicht unbedingt etwas mit Performance - also Leistung - zu tun.

    Anders sieht es bei den Dividenden aus. Hier habe ich bis Ende 2019 genau 28,64% mehr kassiert, als im Jahr 2018. Diese "Rentenerhöhung" resultiert aus mehreren Faktoren. 

    1. Ich habe auch 2019 mein Konto mit frischem Kapital aufgestockt. Das waren 6,38%, die in den Monaten Januar bis März eingezahlt wurden. 
    2. Ich habe konsequent alle eingegangenen Dividenden reinvestiert. 
    3. Meine Unternehmen haben kräftig die Dividenden erhöht. 

    Diese drei Faktoren multiplizieren sich und sorgen so für exponentielles Einkommenswachstum. Betrug meine durchschnittliche "Monatsrente" im Jahr 2018 noch 1.074,80 Euro, so waren es Ende 2019 bereits 1.382,61 Euro. In dieser Summe sind bereits 15% in den USA einbehaltene Quellensteuer enthalten. Die Differenz zur deutschen Abschlagssteuer, also noch einmal 10% und der "Solidaritätszuschlag", sind noch nicht berücksichtigt. 

    Zu Silvester bestand das Depot aus 12.325 Aktien von 58 verschiedenen Unternehmen. Aktie des Monats wurde Brookfield Property Partners (BPY), ein Immobilientrust, der auf den Bermudas beheimatet ist. BPY entwickelt und vermietet hochwertige Bürokomplexe, etwa am Potsdamer Platz in Berlin oder im Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf. Das zweite Standbein sind edle Einkaufscenter, etwa in Las Vegas, Toronto, Bangkok, Osaka und Singapur. Damit bin ich jetzt in drei Bereichen der Brookfield-Gruppe engagiert. Brookfield Infrastructure Partners investiert weltweit in systemrelevante Infrastrukturprojekte, etwa Maut-Straßen, Häfen, Eisenbahnlinien, Funkmasten oder Datencenter. Brookfield Renewable Partners betreibt weltweit mehrere Hundert Kraftwerke, vorwiegend Wasser- und Geothermiekraftwerke, aber auch Windkraft- und Solaranlagen. Alle drei Unternehmen sind Tochtergesellschaften der weltweit tätigen Brookfield Asset Management (BAM).      

    Nachgelegt habe ich bei Molson Coors Beverages, Simon Property Group, Helmerich & Payne und der Meredith Corporation.

    Mein Dividendentacho bewegte sich zum Jahresende deutlich in Richtung 24.000 Dollar (inzwischen ist die Marke überschritten). Genau 23.810,35 Dollar Jahresdividende waren zum 31.12.2019 für die bevorstehenden zwölf Monate zu erwarten. Ein Jahr zuvor zeigte die Nadel auf 19.053,62 Dollar. Unversteuert und in US-Dollar legte damit die projizierte Dividendensumme um 24,96 Prozent zu. Von solch einer Einkommenssteigerung träumen die meisten Angestellten, ganz zu schweigen vom deutschen Durchschnittsrentner. Es ist bereits absehbar, dass im Jahr 2020 kein einziger Monat weniger als 1.000 Euro Dividende bringt.

    Die Herausforderung für 2020 besteht darin, wieder zwölf neue, hochkarätige Investments zu günstigen Preisen zu finden. Pro Monat soll mein Depot um ein neues Unternehmen vervollständigt werden. Gleichzeitig wird sicher auch das eine oder andere Unternehmen ausscheiden müssen. Erinnern wir uns: 2019 wurden Chatham Lodging Trust und VEREIT aussortiert, weil beide Unternehmen die Dividende nicht steigerten. Lexington Property Trust wurde wegen einer bevorstehenden Dividendenkürzung verkauft. Die panamesische Copa Holdings wurde nach einer Dividendenkürzung veräußert, das gleiche Schicksal ereilte Kraft Heinz und GameStop. Drei Monate, nachdem ich mich von GameStop getrennt hatte, strich die Firma die Dividende komplett.

    Die Dividenden lieferten im Dezember in Summe 0,66% Cashflow, bezogen auf mein ursprünglich eingezahltes Kapital. Aus Aktienoptionen flossen mir 0,27% zu, die aus sieben verkauften Puts resultierten. Absicherungsgeschäfte im klassischen Sinne fanden nicht statt. Aus Futures-Optionen realisierte ich mit drei Trades 0,67% Cashflow. Kaffee und Erdgas waren dafür verantwortlich.

    Einen Verlust realisierte ich noch vor dem Jahreswechsel - ich verkaufte für einige Tage meine gesamte Position von Tanger Factory Outlets. Der realisierte Verlust betrug 0,88% meines eingezahlten Kapitals. Auch auf Jahressicht konnte ich durch Verkäufe von Aktien einen Verlust erzielen - 4,28% insgesamt. Im Jahr 2019 war es letztmalig möglich, diese Verluste in voller Höhe geltend zu machen. Dank Finanzminister Scholz dürfen Privatanleger seit dem 1. Januar 2020 nur noch Verluste bis zu 10.000 Euro aus Aktienverkäufen innerhalb eines Jahres mit Gewinnen verrechnen. 

    Das Jahr 2020 wird für private Anleger eine Herausforderung. Die Bundesregierung hat es sich auf die Fahnen geschrieben, private Vorsorge durch Aktieninvestments maximal zu erschweren und Altersarmut gezielt zu forcieren. Die neuen repressiven Steuerregeln für Aktien sind bereits in Kraft. Absicherungsgeschäfte, etwa mit Optionen, werden für Private ab dem 1. Januar 2021 nahezu unmöglich. Der Solidaritätszuschlag bleibt für Privatanleger erhalten, die Aktiensteuer ist ebenfalls noch nicht vom Tisch. 

    So muss denn der eigenverantwortliche Anleger sein Heil in anderen Organisationsformen suchen - sei es nun durch Gründung einer Kapitalgesellschaft, einer Familienstiftung oder schlicht durch Verlagerung des Wohnsitzes ins Ausland. Jeder entscheidet selbst, ob er sein sauer verdientes Geld in den gierigen Schlund des SPD-Finanzministers wirft. Ich habe das jedenfalls nicht vor.  

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    Kommentare: 10
    • #1

      Simon (Freitag, 07 Februar 2020 10:26)

      Was war der Grund für dich, die Position von SKT aufzulösen? Der Occupancy Rate Drop?
      Oder weil die Dividende nur marginal erhöht wurde?

    • #2

      Nils Gajowiy (Freitag, 07 Februar 2020 10:38)

      Da steht: "für einige Tage". Ich hab sie später wieder zurückgekauft. Es ging nur um den steuerlichen Verlust. Ansonsten ist es ein Bomben-Investment.

    • #3

      Simon (Freitag, 07 Februar 2020 10:41)

      Ich habe nicht wirklich verstanden, was mit der Formulierung "für einige Tage" gemeint war. Jetzt kapier ich's.
      Schlauer Schachzug. Ich werde demnächst "nur" aufstocken.

    • #4

      Christian (Freitag, 07 Februar 2020 10:47)

      Guten Morgen Nils,
      klingt wirklich alles sehr interessant für mich - will ich auch :) Verrätst du mit welchem Kapitaleinsatz du die kumulierten 24k$ Dividende in 2019 erzielt hast? Danke und Grüße, Christian

    • #5

      Dieter (Freitag, 07 Februar 2020 11:15)

      Ich habe auch SKT für Tax loss harvesting "missbraucht".

    • #6

      Marcel (Freitag, 07 Februar 2020 20:15)

      Hallo, wie sieht denn dein Plan aus um dem dummen Olaf nicht so viel Geld zu überlassen? Im letzten Absatz hast du ja ein paar Möglichkeiten angesprochen. Könntest ja auch ein Video drüber machen...
      Grüße

    • #7

      Nils Gajowiy (Freitag, 07 Februar 2020 20:23)

      Das sind alles noch keine spruchreifen Projekte. Wenn sich bei mir was materialisiert, werde ich das auch mitteilen. Aber da muss schon jeder seinen eigenen Hintern bewegen, denn die Situation ist für jeden anders. Da geht's ja bis hin zur langfristigen Familienplanung, das lässt sich nicht in einem Video für 10.000 Leute abhandeln.

    • #8

      Ralin (Samstag, 08 Februar 2020 13:48)

      Du schreibst: "Dank Finanzminister Scholz dürfen Privatanleger seit dem 1.Januar 2020 nur noch Verluste bis zu 10.000 Euro aus Aktienverkäufen innerhalb eines Jahres mit Gewinnen verrechnen."
      Ich bin kein Jurist, aber so wie ich die Gesetzesänderung verstehe und nach dem, was ich bisher im Internet dazu finde, gilt das nur für wertlose, d.h. Insolvenzaktien, nicht aber für Verluste bei "normalen" Aktien. Die müssten eigentlich weiter unbegrenzt absetzbar sein.
      Aber selbst wenn, teile ich deine Empörung über die Gesetzesänderung. Gewinne voll versteuern zu müssen, aber Verluste nur gedeckelt absetzen zu können, wie es ja auch bei Termingeschäften kommen soll - so etwas widerspricht jedem Gerechtigkeitsgrundsatz und kann eigentlich nur irgendwann vom BFH einkassiert werden. Aber bis es soweit ist, vergehen Jahre und wer weiß, was den Politikkaspern vom linken Spektrum bis dahin nicht noch alles eingefallen ist. Dem größten Teil der Menschen fehlt einfach jedes Finanz- und Wirtschaftswissen, das ist das tiefere Problem hinter allem. Für jeden, der sich ein bisschen mit der Materie beschäftigt, sind die aktuellen Initiativen des Finanzministeriums in puncto Besteuerung von Wertpapieren einfach nur ein groteskes Beispiel für bodenlosen Dilettantismus. Da blasen wirtschaftlich völlig kenntnislose Sozialisten mit geiferndem Eifer zur Jagd auf Anleger und ignorieren dabei elementarste Grundsätze der gerechten Besteuerung. Aber niemanden interessiert's, keinerlei Aufschrei in den Medien ...

    • #9

      Nils Gajowiy (Samstag, 08 Februar 2020 14:17)

      Danke für die Richtigstellung. In der Tat betrifft die Begrenzung der Verluste nur die "Totalverluste" aus uneinbringlichen Forderungen.
      Was die Kommunisten im Finanzministerium angeht: Das sind mitnichten Dilletanten. Dahinter steckt Kalkül. Nur, wenn man die Menschen dumm und arm hält, werden sie sich weiter auf "Vater Staat" verlassen. Wo kämen wir hin, wenn jedermann und jedefrau selbstbestimmt die Altersvorsorge in die eigenen Hände nähme? Niemand bräuchte mehr Riester und Rürup & Co. Dumme Menschen kann der Staat gnadenlos ausbeuten und zum Dank werden die Scholzens dann auch noch immer wieder gewählt.
      Den Medienaufschrei kann es nicht geben, denn die SPD besitzt in Deutschland über 40 Zeitungen ganz oder anteilig. Auch in den Rundfunk- und Medienräten sitzen saturierte SPD-Leute und andere Apparatschiks. Die von ihnen bezahlten Journalisten singen natürlich das Lied ihrer Geldgeber. Außerdem müssten Journalisten dann einen Hauch von Wirtschafts- und Finanzkompetenz besitzen und die fehlt geht den meisten Schreiberlingen.
      Auf die Gerichtsbarkeit können wir auch nicht mehr vertrauen, denn selbst die Verfassungsrichter werden heute von Parteifunktionären handverlesen und nach Parteienproporz ausgekungelt.
      Es bleibt nur: Eigenverantwortung übernehmen. Jeder denkt an sich, dann ist an alle gedacht.

    • #10

      Tiffy (Donnerstag, 20 Februar 2020 08:06)

      Hallo Nils, habe auch ein Paar Helmerich & Payne im Depot. Da du ja auch nochmal nachgelegt hast, frage ich mich, (weil ja im Moment dieser Umwelt-Apokalypsen-Hype um sich greift (Öl- Gas, Fossile Brennstoffe etc.) wie in dieser Branche die langfristigen aussichten für solch ein Unternehmen sind. Würde nämlich gerne bei diesen Kursen ein wenig aufstocken wollen.

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