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    Nachgehakt: Brexit, Einlagensicherung und IB-Kontenmigration

    Ein Video zweier befreundeter Kollegen mit Maximilian Rimpfl von Interactive Brokers sorgt seit einigen Tagen für Aufregung unter Investoren im Netz. Hintergrund: Mit dem Brexit verliert Interactive Brokers Großbritannien den Zugang zum EU-Markt. Dafür wurde in Luxemburg bereits 2019 eine IB-Tochtergesellschaft gegründet, zwei weitere kontinentaleuropäische Tochtergesellschaften in Ungarn und Irland sind in Gründung. 

    Was in dem Video gesagt wird, ist richtig. Es besteht kein Grund, die Kompetenz von Maximilian Rimpfl anzuzweifeln, zumal das Interview hausintern gegengeprüft worden sein dürfte. Was allerdings in vielen Kommentaren an Schlussfolgerungen gezogen wurde, das entspricht nicht ganz der Realität. Das soll kein Vorwurf sein. Schließlich gibt es für den Brexit und die Konsequenzen keinen Präzedenzfall und woher soll der durchschnittliche deutsche Anleger auch sein Wissen beziehen? Daher möchte ich einige Dinge vervollständigen, die das im Interview gezeichnete Bild abrunden könnten. 

    Ich bin, das sei vorweggeschickt, weder Jurist noch Finanzfachwirt. Daher ist jeder aufgerufen, meine Darlegungen zu hinterfragen, selbst zu recherchieren. Alle Informationen sind öffentlich zugänglich und ich verlinke meine Aussagen zu den Quellen meiner Recherchen. Da die Materie trotzdem im Fluss ist, kann es sein, dass sich in einigen Wochen die Sachlage ändert und Teile oder auch der gesamte Post obsolet werden. Außerdem ist dieser Post nicht als Werbung für Interactive Brokers gedacht, ich werde von dem Unternehmen nicht bezahlt und unterhalte lediglich eine ganz normale Kundenbeziehung mit einem Privatkonto.   

    Aktien sind kein Sondervermögen - und sind es nie gewesen

    Diese Aussage wird in vielen Kommentaren als Neuigkeit, "krank" oder "bedenklich" gewertet. Richtig ist: Aktien waren noch nie Sondervermögen und sind es auch bei keinem deutschen Broker und keiner deutschen Bank. Sondervermögen wird durch die Paragraphen 91ff des Kapitalanlagegesetzbuches geregelt und es bezieht sich auf Investmentgesellschaften und Kapitalverwaltungsgesellschaften. 

     

    Regulatorisch vorgeschrieben ist die strikte Trennung von Kunden- und Gesellschaftsvermögen aber auch für Broker und Banken. Das Prinzip der „Segregated Accounts“ ist keine Besonderheit der angelsächsischen Finanzindustrie, es findet auch in der Europäischen Union Anwendung. Banken und Broker haben entsprechend Paragraph 84, Absatz 4, des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG)

     

    "geeignete Vorkehrungen zu treffen, um die Eigentumsrechte der Kunden an diesen Finanzinstrumenten zu schützen. Dies gilt insbesondere für den Fall der Insolvenz des Wertpapierdienstleistungsunternehmens."

     

    Kundendepots bei Banken und Brokern gehören also nicht zur Insolvenzmasse eines Unternehmens, auch wenn sie juristisch kein Sondervermögen sind.  

    Alltag für deutsche Kunden: Die vermeintliche Einlagensicherung von 20.000 Euro

    Die gesetzliche Einlagensicherung betrifft nach Paragraph 2 des Einlagensicherungsgesetzes Guthaben auf Bankkonten und bei Finanzdienstleistern. Der Entschädigungsanspruch ist nach Paragraph 8 des Einlagensicherungsgesetzes  auf den Gegenwert von 100.000 Euro gedeckelt, in Ausnahmefällen auf 500.000 Euro. Die Einlagensicherung betrifft aber niemals Aktiendepots, denn diese sind nach dem Einlagensicherungsgesetz keine Einlagen. 

    Worüber Maximilian Rimpfl im Interview redet, das ist die Anlegerentschädigung nach Paragraph 4 des Anlegerschutzgesetzes. Dort heißt es im Absatz 2: 

     

    "Der Entschädigungsanspruch ist der Höhe nach begrenzt auf 90 Prozent der Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften und den Gegenwert von 20 000 Euro."

     

    Auch diese Begrenzung des Entschädigungsanspruchs ist also keine "Gemeinheit" von Interactive Brokers, sondern sie ist gesetzlich vorgeschriebene Praxis. Und zwar auch bei jedem deutschen Broker und jeder deutschen Bank – egal ob comdirect, flatex oder Deutscher Bank. Die werden übrigens hier nur exemplarisch und beispielhaft benannt.

    In Großbritannien und den USA sind die Entschädigungsansprüche deutlich höher - sowohl für Bar-Einlagen, als auch für Wertpapierdepots. Die in Deutschland geltenden gesetzlichen Regelungen stellen also den deutschen Anleger, der Kunde bei einem deutschen Dienstleister ist, deutlich schlechter als amerikanische oder britische Kunden bei ihren landeseigenen Finanzdienstleistern.

    In den USA wurde nach der Krise von 1929 - 1933 im Jahre 1934 das Versicherungssystem der Federal Deposit Insurance Corporation FDIC geschaffen, das Einlagen von Bankkunden bis 250.000 Dollar absichert. Wertpapierdepots werden durch die Securities Investor Protection Corporation (SIPC) bis zu 500.000 Dollar besichert, wobei der Baranteil auf 250.000 Dollar beschränkt ist.

    In Großbritannien werden Anleger durch das Financial Services Compensations Scheme (FSCS) entschädigt. Die Entschädigungssumme liegt bei 85.000 Britischen Pfund, sowohl für Einlagen (Geld), als auch für Investments. 

    Die spannende Frage: Was passiert im Falle einer Brokerpleite mit meinen Aktien?

    Wenn ein Broker insolvent wird, übernimmt ein Insolvenzverwalter die Verwertung der Vermögensmasse. Aktiendepots gehören nicht zur Vermögensmasse, sondern sie sind Eigentum des Kunden. Gemeinhin wird behauptet, dass eine Bank oder ein Broker die Wertpapiere eines Kunden verwahren. So ist es beispielsweise auf der Webseite von comdirect nachzulesen.

    Auch auf der Webseite der Bafin lesen wir Ähnliches. 

    Und hier wird es knifflig, denn beide Aussagen sind mindestens missverständlich, wenn nicht sogar sachlich falsch. Richtig ist, dass die Wertpapiere Eigentum des Kunden sind. Falsch ist hingegen, dass die Wertpapiere von der Bank verwahrt werden. 

    Exkurs: Wo befinden sich "meine" Aktien?

    Die Verwahrung von Aktiendepots erfolgt nämlich seit mehr als 50 Jahren bei Verwahrern oder Zentralverwahrern, den so genannten Central Securities Depositories (CSD). Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden bei jedem Aktiengeschäft tatsächlich physische Aktien zum Broker getragen und von diesem physisch an andere Broker verkauft. Mit dem Wachstum des Börsenhandels wurden diese physischen Handelsaktivitäten unüberschaubar, teilweise warteten Aktionäre wochenlang darauf, dass Transaktionen ordnungsgemäß dokumentiert wurden. In diesem Papierkrieg kam die Idee der zentralen Verwahrung von Aktien auf, die heutzutage weltweit geübte Praxis ist. Wer seinen Kontoauszug bei Interactive Brokers aufmerksam studiert, wird feststellen, dass es dort eine Position "Standort der Kundenvermögenswerte, -positionen und -geldmittel" gibt. 

    Was passiert also, wenn ich eine Order beispielsweise über den Kauf von 1.000 Coca-Cola-Aktien bei Interactive Brokers aufgebe? Die Order wird, sofern Interactive Brokers die Aktien nicht im eigenen Bestand hat, an Interactive Brokers LLC weitergeleitet (das kann über verschiedene Zwischenstationen erfolgen). Dieses Unternehmen unterhält ein Konto bei der Depositary Trust Company (DTC) in den USA und dort lagern Coca-Cola-Aktien. Die DTC als Zentralverwahrer erzeugt jetzt einen elektronischen Registereintrag, der besagt, das Interactive Brokers LLC ein Teileigentum in Höhe von 1.000 Stücken am Coca-Cola-Aktienbestand erworben hat, der bei der DTC hinterlegt ist. Zeitgleich wird meine Order an die Börse geroutet und ausgeführt. Auf der anderen Seite des Geschäfts steht ein anderer Broker (oder auch derselbe, wenn die Aktien im Eigenbestand von IB sind). Dieser setzt sich ebenfalls mit der DTC in Verbindung, um einen elektronischen Registereintrag zu erzeugen, auf Grund dessen dieser Broker sein Teileigentum am Coca-Cola-Aktienbestand bei der DTC um 1.000 Stücke verringert. Das Ganze passiert elektronisch und in Sekundenbruchteilen, viele Millionen Mal am Tag bei jedem Handelsgeschäft. 

    Die Quintessenz: Die Aktien selbst wechseln weder den Standort noch den Besitzer. Sie sind und bleiben jederzeit im Besitz des Zentralverwahrers. Es werden lediglich elektronische Depot-Einträge erzeugt über einen wechselnden Verwahrer. In diesem Falle ist Interactive Brokers LLC der Verwahrer - aber dort liegt lediglich ein elektronischer Depoteintrag vor, der jetzt bis zu meinem Broker zurückgeleitet wird und sich dann als Depoteintrag letztendlich auf meinem Kontoauszug widerfindet. Coca-Cola weiß also nicht, dass ich Aktionär bin, denn im Aktionärsregister taucht Interactive Brokers LLC als "Street Name" auf, also als Treuhänder (Custodian) der Aktien, die sich in meinem Eigentum, aber im Besitz der DTC befinden. 

    Ist das verwirrend? Ich bin mir ziemlich sicher, dass die wenigsten Bank- und Broker-Kunden wissen, wie diese Art der Girosammelverwahrung von Aktien funktioniert. Ungeachtet dessen ist diese Handelsabwicklung weltweiter Standard - ob nun bei der Deutschen Bank, bei Comdirect oder Interactive Brokers. Wenn also eine Bank behauptet, sie würde Aktien verwahren, stimmt das in der Regel nicht, denn die Aktien sind bei einer Verwahrstelle hinterlegt. In Deutschland gehandelte Aktien etwa liegen bei der Clearstream Banking AG, einer Tochtergesellschaft der Deutsche Börse AG.

    In den Geschäftsbedingungen der Banken und Broker finden sich regelmäßig Hinweise darauf, dass Wertpapiergeschäfte auf diese Art abgewickelt werden. Beispielhaft beschreibt das DEGIRO auf seiner Webseite.   

    Etwas weniger bildhaft formuliert es die Deutsche Bank in ihren Sonderbedingungen für das Wertpapiergeschäft. Hier steht auch klar und deutlich: Die Bank ist Kommissionärin, Papiere werden in Deutschland bei der Clearstream Banking AG und im Ausland bei einer ausländischen Verwahrstelle verwahrt.  

    Was bedeutet das nun im Falle einer Broker- oder Bankeninsolvenz? Wird ein Broker oder eine Bank insolvent, wird ein Konkursverwalter das Vermögen des Brokers nutzen, um die Forderungen der Gläubiger zu befriedigen. Zur Vermögensmasse gehören aber nicht die Aktien der Kunden, denn die stehen im Eigentum des Kunden. Der Kunde kann also eine Herausgabe seines Eigentums vom Besitzer nach § 985 BGB verlangen. Nur: Der Besitzer war zu keinem Zeitpunkt der Broker oder die Bank, sondern der war wiederum nur Kommissionär. Adressat einer solchen Forderung wäre im Insolvenzfall nicht mehr die Bank oder der Broker, sondern der Insolvenzverwalter. Der müsste mein Depot freigeben, damit ich es zu einer anderen Bank oder einem anderen Broker übertragen kann. 

     

    Wenn also die comdirect beispielsweise auf ihrer Webseite schreibt, sie verwahre die Wertpapiere der Kunden, ist das schlicht Unsinn. Die comdirect verwahrt lediglich den Buchungssatz, die Aktien liegen in der Verwahrstelle. 

    Der Unterschied: Eigentümer oder Besitzer?

    Eigentümer einer Sache ist derjenige, der die rechtliche Herrschaft ausübt - also beispielsweise bin ich Eigentümer eines Autos, das ich rechtmäßig gekauft und zugelassen habe. Wenn ich mit dem Auto fahre, es vor meinem Haus oder in der Garage parkt und ich darauf Zugriff habe, bin ich auch Besitzer des Autos. Wird mir das Auto gestohlen, bin ich zwar noch Eigentümer, aber das Auto befindet sich im Besitz der Autodiebe, die damit gerade eine illegale Spritztour unternehmen. Das Ganze klingt wie juristische Haarspalterei, hat aber für Anleger praktische Konsequenzen. 

    Der Investor ist zwar Eigentümer seiner Aktien, hat aber als Eigentumsnachweis lediglich eine elektronische Buchungszeile in irgendeiner Datei - mehr nicht. Besitzer der Aktien ist die Zentralverwahrstelle. Ich kann zwar jederzeit die Herausgabe meines Eigentums vom Broker oder der Bank verlangen, dieser Herausgabeanspruch ist in Paragraph 985 BGB geregelt. Allerdings sind die Broker nicht Besitzer meiner Aktien, sondern die liegen ja in der Girosammelverwahrung. Für viel Geld und einen erheblichen Aufwand kann ich mir eventuell die Stücke ausliefern lassen, entziehe sie damit aber solange dem Aktienmarkt, wie sie sich nicht mehr in der Sammelverwahrung befinden, weswegen dieses Verfahren für Privatanleger kaum praktikabel ist. 

    Geht jetzt mein Broker in die Insolvenz, muss ich meinen Herausgabeanspruch nach §985 BGB gegenüber dem Insolvenzverwalter geltend machen und der muss mir den Depotübertrag ermöglichen, sofern anhand der Buchführung des insolventen Brokers ersichtlich ist, dass ich tatsächlich Eigentümer des Depots bin. 

    Das Eigentum an meinen Aktien wird also durch eine Insolvenz meines Brokers oder meiner Bank nicht berührt. Meine Aktien liegen da, wo sie immer lagen - bei der Zentralverwahrstelle. Stellen wir uns für einen Augenblick vor, während der nächsten Finanzkrise gehen 50% aller Broker, Banken, Depotbanken u.ä. pleite (eine gruselige Vorstellung). All diese Finanzdienstleister haben Aufzeichnungen darüber, welchem Kunden wie viel Aktien jedweder Unternehmen gehören, darunter wären auch 50% aller emittierten Coca-Cola-Aktien. Mit der Pleite der Finanzdienstleister würden ja diese Aktien nicht verschwinden, Coca-Cola wäre also nicht plötzlich zu 50% "eigentümerlos". Ich bin nach wie vor Eigentümer meiner Aktien und nach wie vor wäre die Zentralverwahrstelle Besitzer dieser Unternehmensanteile. Lediglich der Kommissionär verabschiedet sich aus dem Geschäftsleben.

    Ich habe diese Sachverhalte kurz in dem nachfolgenden Video zusammengefasst.   

    Praktisches Fazit: Wie verfahre ich mit meinem IB-Depot?

    Es gibt aus meiner Sicht drei Möglichkeiten, die aber bitte nicht als Empfehlung zu verstehen sind: 

    1. Ich migriere mein Depot auf ein Konto bei einem innerhalb der EU lizensierten Tochterunternehmen von IB, also in Ungarn, Irland oder Luxemburg. Dies dürfte der unkomplizierteste Weg sein. Damit verschlechtert sich der Anlegerschutz für mich, und zwar auf ein Niveau, mit dem Kunden der Deutschen Bank, von comdirect oder Flatex bereits heute zurechtkommen müssen. Ich hätte damit kein Problem, denn Interactive Brokers erscheint mir als Unternehmen deutlich solider als beispielsweise die Commerzbank oder die Deutsche Bank.
    2. Ich stimme einer Migration nicht zu und belasse mein Konto in Interactive Brokers UK. Dies könnte aber zu Komplikationen und Handelsrestriktionen führen. Nach derzeitigem Stand möglich, aber die Folgen sind unklar.
    3. Ich eröffne ein Brokerkonto außerhalb der EU-Jurisdiktion. Dies ist nicht illegal, aber möglicherweise mit erheblichem organisatorischen Aufwand verbunden. Die meisten Broker dürften einer solchen Kontoeröffnung wegen regulatorischer Probleme nicht zustimmen, wenn ich mit meinem deutschen Wohnsitz dort ein Depot eröffnen möchte. Wahrscheinlich verweisen sie einen zurück an Vertriebs- oder Geschäftspartner mit Zulassungen im EU-Raum. Eine mögliche Alternative wäre ein Wohnsitz oder eine mir gehörende Firma im Ausland - beides ist ebenfalls nicht illegal, würde sich aber wahrscheinlich nur für siebenstellige und größere Depots lohnen.   

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    Kommentare: 9
    • #1

      Lenz (Sonntag, 22 November 2020 16:11)

      Frage (Feststellung): Somit weiß z.B. Clearstream nicht, welche Aktien mir gehören. Sollte ich also einen "schlampigen" Broker haben könnte es da Probleme mit der Auslieferung geben, wenn in Summe von verschiedenen Kunden 15.000 Aktien zum Depotübertrag "angemeldet" werden und nur 12.000 vorhanden sind.

      Obiges Problem sollte es bei Namensaktien (MüRe, Hannover Rück, Talanx) eher nicht geben?!

      Danke für die Erklärung, zeugt vom gruseligen Schulsystem, welches nicht einmal zwischen Besitz und Eigentum erläutert.

    • #2

      Nils Gajowiy (Sonntag, 22 November 2020 16:19)

      Clearstrem gegenüber treten Privatpersonen nicht in Erscheinung. Der Broker verwaltet die Buchungseinträge und schreibt die jeweiligen Positionen dem Eigentümer zu. Der ganze Prozess läuft vollautomatisiert, da sollte es keinen "schlampigen" Broker geben, höchstens kriminelle.
      Namensaktien laufen genauso ab. Da steht nirgends ein Name drauf.

    • #3

      Maik (Sonntag, 22 November 2020 21:37)

      Danke für Ihre umfassende Ausführung, leider kauf IB die Aktien nicht im Namen des Kunden, sondern ausschließlich im eigenen Namen, demnach ist beim Zentralverwahrer auch nur IB hinterlegt.

    • #4

      Stefan Hamburg (Montag, 23 November 2020 19:14)

      Zur Ihrer Empfehlung Punkt 1:
      Das ist doch total irreführend und gefährlich. Denn bei sämtlichen in Deutschland dislozierten Instituten mit Banklizenz besteht immer mindestens eine Sicherung sämtlicher Einlagen von 100.000 EUR (gesetzlich). Darüber hinaus haben viele deutsche Institute noch wesentliche höhere Sicherungssummen durch Zusatzversicherungen im Rahmen ihrer Mitgliedschaft des Bundesverbandes deutscher Banken oder im Volks- & Raiffeisenverband oder durch öffentlich rechtliche Sicherungssysteme im Rahmen des Sparkassenverbundes. Völlig unabhängig von den gesetzlichen und ggf. darüber hinausgehenden privatrechlich-vertraglichen Einlagensicherungssystemen ist aber die Führung von Aktien/Investmentfonds/ETFs als Sondervermögen ein entscheidender Vorteil, d.h. im Insolvenzfall ist völlig unabhängig von einer Einlagensicherung der Bestand an diesen Papieren in unbegrenzter Höhe gesichert (da nicht Insolvenzmasse). Die Kunden der von Herrn Gajowiy genannten Instituten wie Flatex & comdirect sind demnach viel viel besser gestellt als die Kunden der neuen IB-Firmen. Gedanken machen müssen sich Kunden ausschließlich über ihr Barvermögen über 100.000 EUR hinaus, keinesfalls aber über die genannten Wertpapiergattungen in ihrem Depot.

    • #5

      Michel (Dienstag, 24 November 2020 17:13)

      Mal abgesehen von der Einlagensicherung würde mich interessieren, ob nach dem Umzug in die EU mit Einschränkungen bei der Handelbarkeit zu rechnen ist.
      Der einzige Grund nämlich, weswegen ich ein Depot bei Captrader habe ist der, dass ich dort Wertpapiere handeln kann, die bei einem deutschen Broker nicht handelbar sind - Stichwort Mifid II.
      Beispielhaft seien hier genannt: US27828S1015 oder US00302L1089.
      Es heißt zwar in den FAQ, dass mit Einschränkungen bei der Handelbarkeit nicht zu rechnen ist, aber so recht glauben, kann ich das nicht. IB zieht doch in die EU um, dann müssen die sich doch auch an dieses dämliche MIFID II halten, oder sehe ich das falsch?
      Danke für Deine Einschätzung!
      Schöne Grüße, Michel

    • #6

      Uli (Mittwoch, 25 November 2020 14:56)

      Gut recherchiert, bin zu ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen. Was für mich nicht ins Bild passt, sind die Versicherungen über SIPC und FSCS in UK, die beide neben Cash eine Reihe von Securities umfassen. Insofern ist für mich die Frage, ob es grundlegende Unterschiede im Insolvenzrecht gibt, denn auf Herausgabe nach BGB (und Depotgesetz) kann man sich im internationalen Kontext nicht berufen ...

    • #7

      Andreas von Broker-Test.at (Mittwoch, 25 November 2020 18:33)

      Der Meinung von Stefan Hamburg, dass sich Kunden bei deutschen Brokern keine Gedanken machen müssen entgegne ich mit dem Gesetzgeber. Dieser hat sehr wohl vorgesorgt, dass es zu Entschädigungen kommt in Form der Anlegerentschädigung. Es kann auch bei Wertpapieren in Deutschland etwas passieren. Nichts ist unmöglich und einen Persilschein stelle ich keiner Bank/Broker in Deutschland aus.

    • #8

      Markus (Freitag, 27 November 2020 11:50)

      Worst case: alles bricht zusammen, Insolvenz von Brokern, Gesetze werden geändert, es herrscht Simbabwe.
      Dann habe ich bei der internationalen IBKR ja noch die Hoffnung über Amerika oder sonst wo, wo es ein Insolvenzverwalter gibt an meine Einträge zu kommen und damit auch an meine Aktien, bzw diese zu transferieren. Auch wenn diese in ihren Pools über verschiedene Verwahrstellen irgendwo auf der Welt gehandelt werden. Bei den deutschen Brokern wäre es ähnlich. Dann müsste man bei Clearstream auf der Matte stehen.
      Insofern gehe ich davon aus das bei Konkurs von IBKR und einem Crash des Systems an meine Aktien leichter kommen werde als z.b. bei einem kleinen Broker oder einem Dienstleister a la Wirecard.

    • #9

      Alois (Samstag, 28 November 2020 16:58)

      Das ist für einen Laien sehr verwirrend. Es reduziert sich für mich auf die Frage: wo ist der entscheidende Unterschied zwischen einem Depot bei Lynx oder einer deutschen Bank. (Consors, Flatex, etc.)

      Was mich wundert: weder Lynx noch IB nehmen dezidiert Stellung. Sie müssten doch ein Eigeninteresse haben, die Sachlage zu klären, sonst ziehen Kunden, wie ich auch, ihre Gelder ab.

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